Vor der Entscheidung im Kampf um Alstom : Siemens schmiedet Allianz mit Mitsubishi

Am Wochenende entscheidet Siemens über ein Gebot für den Rivalen Alstom. Jetzt holt sich der Konzern mit Mitsubishi Verstärkung - womöglich ein kluger Schachzug.

Carsten Brönstrup
Siemens ist derzeit auf vielen Baustellen aktiv und mit einer großen Umstrukturierung beschäftigt. Jetzt kommt noch der Bieterkampf um Alstom hinzu.
Siemens ist derzeit auf vielen Baustellen aktiv und mit einer großen Umstrukturierung beschäftigt. Jetzt kommt noch der...Foto: dpa

Im Kampf um den französischen Rivalen Alstom holt sich Siemens Verstärkung. Zusammen mit dem japanischen Mischkonzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) wolle man bis kommenden Montag prüfen, dem Verwaltungsrat der Franzosen ein Angebot vorzulegen, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit. Wie es im Umfeld beider Unternehmen hieß, wird der Aufsichtsrat von Siemens am Sonntag zusammenkommen, um über ein Angebot abzustimmen.
„Ich begrüße die Bereitschaft von MHI, sich unseren Überlegungen anzuschließen“, erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser. Der MHI-Vorstandsvorsitzende Shunishi Miyanaga sagte: „Wir sind davon überzeugt, dass wir einen substanziellen Beitrag zu einer partnerschaftlichen Lösung für Alstom leisten können, der einen Mehrwert für alle beteiligten Parteien inklusive des Landes Frankreich schaffen wird.“ Offenbar soll Siemens das Alstom-Geschäft mit Gasturbinen zugeschlagen werden, MHI könnte an dem Netz- und dem Dampf-Geschäft interessiert sein. Siemens will neben Bargeld auch seine Bahn-Sparte in das Angebot einbinden. Damit entstünde ein einflussreiches Unternehmen – Alstom produziert wie Siemens Regionalzüge, aber auch Hochgeschwindigkeitsbahnen.


Die neue Allianz versucht damit, den US-Konzern General Electric (GE) auszustechen. Er will für 12,35 Milliarden Euro die Energiesparte des französischen Unternehmens kaufen. Alstom-Chef Patrick Kron macht sich stark für einen Verkauf an GE und wird dabei vom Verwaltungsrat seines Konzerns unterstützt. Die französische Regierung hatte nach Bekanntwerden des GE-Angebots ihre Präferenz für ein Zusammengehen mit Siemens deutlich gemacht, hat sich seitdem aber zurückhaltender ausgedrückt.
Hinter dem Kalkül von Siemens, zusammen mit den Japanern zu bieten, könnten kartellrechtliche Erwägungen stehen: Bei einer Aufteilung von Alstom unter Deutschen und Japanern gäbe es womöglich eine weniger starke Einschränkung des Wettbewerbs. Die Börsen waren noch skeptisch – Siemens verlor am Mittwoch leicht, ebenso wie GE. Bei Alstom tat sich nichts.

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