Wirtschaft : Vor der Gründung Millionen gesammelt

PETER BRORS (HB)

MÜNCHEN .Er gehört zu den Stars der deutschen Biotech-Szene: Wolfgang Richter.Mit 33 Jahren Assistent des renommierten Professors Ivar Ugi, mit 34 das eigene Unternehmen namens Morphochem, mit 35 unter den ersten zehn des McKinsey-Wettbewerbs "bester Business-Plan".Jetzt ist seine Garagenfirma eine Aktiengesellschaft.

Richter ist Forscher aus Leidenschaft im Innovations- und Gründerzentrum (IZB) in Martinsried, einem Dorf am Stadtrand Münchens, das derzeit die Genforscher anzieht.Kein Zufall, hat der Freistaat Bayern für das Zentrum doch etliche Fördermillionen locker gemacht.So entstanden beispielsweise das Klinikum Großhadern, ein Genzentrum, das IZB und die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie.Bisher gibt es in dem dreistöckigen Laborkomplex des IZB schon 21 Biotech-Boutiquen.Täglich kommen neue Interessenten.

Doch obwohl die Biotechnologie als eine der Schlüsseltechnologien des 21.Jahrhunderts gilt, stehen den jungen Start-ups in den nächsten Jahren große Probleme bevor.Ist es schon schwer genug, in der Gründungsphase genügend Startkapital aufzutreiben, werden die Finanzierungsrunden zwei und drei, wenn es um hohe zweistellige Millionenbeträge geht, richtig heikel.Immer wieder müssen die Gründer externe Investoren dazu bringen, weitere Millionen in ihre Unternehmen zu pumpen.In Unternehmen, die meist auch nach Jahren kaum Gewinne erwirtschaften, die aber schnell wachsen müssen, um bald eigene Aktien verkaufen zu können.

"In den nächsten zwei, drei Jahren wird sich zeigen", so IZB-Geschäftsführer Peter Hanns Zobel, "wie viele der Unternehmen überleben und den Börsengang meistern." Als Vorbilder der deutschen Biotech-Szene gelten die Hildener Qiagen AG und die Martinsrieder Morphosys AG, die am Neuen Markt notiert sind.

Für ein erfolgreiches Going-public sollte der Wert des Unternehmens auf mindestens 200 Mill.DM wachsen.Die Firmenchefs von Martinsried wissen um ihr Risiko.Die meisten von ihnen sind wie Morphochem-Gründer Richter gerade Mitte 30 und haben eine Karriere als Wissenschaftler mit geregeltem Einkommen ausgeschlagen.Sie alle suchen nach der perfekten Technologie oder dem Wirkstoff, der ihre Klitschen in milliardenschwere Pharmakonzerne verwandelt.Und tatsächlich gibt es immer mehr Venture-Capital-Gesellschaften, die an solche Märchen mit Happy-End glauben.Richter sammelte vor der Gründung seines Unternehmens elf Mill.DM von Investoren ein, wie etwa der Münchener Techno Venture Management (TVM) und der britischen Alta Berkeley.

Ein Jahr dauerte es, bis Richter genügend Geld für seine Firma beisammen hatte.Ein Jahr, in dem potentielle Investoren immer wieder das Konzept lobten, sich bei der Vertragsunterschrift aber zierten oder gleich die gesamte Kontrolle übernehmen wollten.Erst mit TVM und Alta Berkeley "stimmte schließlich die Chemie".

Von deren Geld steckte Richter zwei Mill.DM in die Ausrüstung seines Labors.Tastatur und Maus haben Petrischale und Reagenzglas fast verdrängt.Richter schwärmt von seinem Forschungsansatz, den er kurz "evolutionäre Chemie" nennt.Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit will Richter den Pharmariesen verkaufen, die die forschungsintensive Frühphase der Wirkstoffentwicklung immer häufiger den flexiblen Biotech-Boutiquen überlassen.Doch bis zum großen Durchbruch hängt die Firma am Tropf der Venture-Capital-Gesellschaften.

Noch bis Mitte nächsten Jahres reichen die Mittel aus der ersten Finanzierungsrunde, die Verhandlungen zur zweiten Runde laufen.Diesmal geht es um mehr als 30 Mill.DM - viel Geld für ein Unternehmen, das den Break-even erst in fünf Jahren anpeilt.Mit dem Kapital will Richter sein Labor vergrößern und neue Wissenschaftler einstellen.In den nächsten Tagen will er die zweite Runde abschließen.Richter ist optimistisch.Die alten Investoren seien bereit, zusammen mit einer neuen amerikanischen Gesellschaft mehr als 20 Mill.DM zu investieren.

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