Wirtschaft : Vor der zweiten Metalltarifrunde wird der Ton schärfer

Gesamtmetall beharrt auf Verlängerung der Arbeitszeit – Gewerkschaft lehnt Mehrarbeit ohne Lohnausgleich als „unanständig“ ab

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Frankfurt (Main)/Düsseldorf (dpa/ddp). Vor der zweiten Tarifrunde in der Metall und Elektroindustrie hat sich der Ton zwischen Arbeitgebern und IG Metall verschärft. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall beharrte am Mittwoch auf Vereinbarungen über längere Arbeitszeiten als Voraussetzung für Einkommenserhöhungen. Andernfalls drohe eine Flucht der Unternehmen aus dem Flächentarif. Die IG Metall lehnt bis zu fünf Stunden Mehrarbeit ohne Lohnausgleich als „unanständig“ ab. Damit trieben die Arbeitgeber die Tarifrunde in eine „konfliktorische Auseinandersetzung“, warnte Gewerkschaftsvize Berthold Huber.

Die IG Metall fordert vier Prozent mehr Lohn und Gehalt für die knapp 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie für zwölf Monate. Nach rund dreiwöchiger Pause werden die Tarifverhandlungen auf regionaler Ebene heute fortgesetzt. Dann gehen die Verhandlungen im wichtigsten Tarifbezirk Baden-Württemberg in die zweite Runde. In Sachsen wird erstmals verhandelt. Am Freitag werden die Gespräche in Nordrhein-Westfalen in zweiter Runde fortgesetzt. Die anderen Tarifbezirke folgen kommende Woche. Die Friedenspflicht endet am 28. Januar. Danach darf gestreikt werden.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser bekräftigte in einem Brief an die rund 6000 Mitgliedsunternehmen des Verbandes die Forderung nach mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Betriebe bei der Arbeitszeit. „Der Flächentarif kann den vielen und schnell wechselnden betrieblichen Erfordernissen einer so riesigen und vielfältigen Branche nicht mehr gerecht werden“, heißt es in dem Schreiben. Notwendig sei ein Arbeitszeitkorridor zwischen 35 und 40 Stunden. Ob und wie die Mehrarbeit bezahlt wird, sollen die Geschäftsleitungen mit den Betriebsräten entscheiden können. Sollte die Tarifpolitik versagen, „wird es sie künftig so nicht mehr geben können. Insoweit stehen wir an einer Weggabelung.“

IG-Metall-Vize Huber warf den Arbeitgebern vor, kein Interesse an einer konstruktiven Lösung zu haben. In Wirklichkeit gehe es nicht um mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten, sondern um unbezahlte Mehrarbeit. „Das ist unanständig“, kritisierte Huber. Zudem führe eine Arbeitszeitverlängerung zum Verlust von Arbeitsplätzen. Die Tarifverträge ließen bereits heute ein hohes Maß an Flexibilität zu. Die IG Metall sei bereit, in dieser Frage weitere Lösungen zu suchen. Huber forderte die Arbeitgeber auf, das „Jammertal“ zu verlassen und mit der IG Metall schnell zu konstruktiven Lösungen zu kommen. Die Unternehmen bräuchten Planungssicherheit in Tariffragen.

Auch der baden-württembergische Bezirksleiter Jörg Hofmann kritisierte die Forderungen von Kannegiesser. „Diese Aussagen belasten das Verhandlungsklima unnötig“, sagte Hofmann. „Wir können uns in Baden-Württemberg angesichts der vielfältigen flexiblen Arbeitszeitregelungen eine Tarifflucht der Unternehmen nicht vorstellen.“ Bislang gilt in der Metall- und Elektroindustrie im Westen die 35- und im Osten die 38-Stunden-Woche. Im Sommer war ein Streik zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche auch in den neuen Bundesländern gescheitert. Die bayerischen Metall-Arbeitgeber haben einen Austritt auf dem Arbeitgeberverband angedroht, falls die IG Metall auf der 35-Stunden-Woche beharre.

Ökonomen mahnen zu Bescheidenheit

Wirtschaftswissenschaftler haben die IG Metall zur Bescheidenheit ermahnt. Lohnerhöhungen von „etwas über zwei Prozent“ seien für die Branche zu verkraften, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, in einem vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung „VDI nachrichten“. Die Forderung der IG Metall nach vier Prozent mehr Lohn passe nicht in das wirtschaftliche Umfeld. Auch der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, mahnt Arbeitnehmer und Gewerkschaften zu „absoluter Bescheidenheit“. Der Ökonom schlägt vor, die Löhne nur im Umfang der deutschen Inflationsrate zu erhöhen.

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