Wirtschaft : Vor Gericht verloren, Verstärkung gewonnen (Kommentar)

Alfons Frese

Gut so: Der Europäische Gerichtshof hat die Entscheidung der EU-Kommission in Sachen VW bestätigt, wonach der Autokonzern vom Land Sachsen 241 Millionen Mark weniger bekommt als ursprünglich vorgesehen; 241 Millionen Steuermark, wohlgemerkt. Unstrittig waren und bleiben Investitionszuschüsse für VW in Höhe von 539 Millionen Mark. Doch was die Wolfsburger zusätzlich mit Hinweis auf eine EU-Sonderregelung für "Nachteile durch die deutsche Teilung" den Sachsen aus dem Steuersäckel gepresst haben, war schlicht zu viel des Guten. Und passte im übrigen in das Bild einer ostdeutschen Subventionslandschaft, in der sich Westkonzerne mehr oder weniger nach Belieben bedienten. Der EU-Kommission sei Dank, dass der Abzockereien der Investoren ein wenig Einhalt geboten wurde.

Über Sinn oder Unsinn der Investitionssubventionen lässt sich im übrigen trefflich streiten. Jedenfalls wäre das sächsische VW-Werk auch ohne die Millionenhilfe der Steuerzahler da, wo es heute steht: bei Produktivität und Rentabilität an der Spitze der VW-Standorte. Nun ist Europas größter Autohersteller gut beraten, den jahrelangen Streit endlich abzuhaken und nach vorn zu schauen. Und sich zu verstärken. Vielleicht über weitere Kooperationen oder Zukäufe. Und gewiss mit neuen, qualifizierten Mitarbeitern. Zum Beispiel Bernd Pischetsrieder. Wegen des "Milliardengrabs" Rover war der ansonsten erfolgreiche Chef bei BMW gekippt worden. So, wie die Dinge stehen, fällt Pischetsrieder spektakulär nach oben, so er denn 2002 das VW-Steuer von Ferdinand Piëch übernimmt. Jedenfalls eine gute Wahl und eine rechtzeitige und richtige Entscheidung für die Zukunft Volkswagens.

0 Kommentare

Neuester Kommentar