Vor Schmiergeld-Prozess : Pierer zieht sich bei der Deutschen Bank zurück

Die Schmiergeld-Affäre bei Siemens hinterlässt bei Ex-Chef Pierer offenbar Wirkung. In der kommenden Woche beginnt ein erster Prozess, in dem der Manager als Zeuge aussagen soll. Nun verabschiedet er sich aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Er will nicht, dass das Institut "mit reingezogen wird".

heinrich von pierer Foto: dpa
Heinrich von Pierer -Foto: dpa

Frankfurt/MainNach der milliardenschweren Schmiergeld- Affäre bei Siemens zieht sich der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer (67) aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank zurück. Pierer steht auf der Hauptversammlung am 29. Mai nicht mehr für eine Wiederwahl in den Aufsichtsrat zur Verfügung, wie die größte deutsche Bank mitteilt. Der Aufsichtsrat wird demnach den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen, als Nachfolger vorschlagen.

Pierers Anwalt Winfried Seibert erklärte, der frühere Siemens-Chef habe sich aus "Loyalität gegenüber der Bank" zu dem Schritt entschlossen. In der Schmiergeld-Affäre geht es um 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen, die vermutlich größtenteils zur Bildung schwarzer Kassen im Ausland eingesetzt wurden. Gegen Pierer und andere Mitglieder der früheren Siemens-Führungsspitze ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflicht. Dabei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu einer Million Euro geahndet werden kann.

Pierer sei vor diesem Hintergrund zu der Einschätzung gekommen, dass sich nun "erst mal alles beruhigen" müsse, sagte der Anwalt. Mit seinem Rückzug aus dem Kontrollgremium der Deutschen Bank will er demnach auch vermeiden, dass die Deutsche Bank "mit reingezogen wird". Ob auch andere Aufsichtsratsmandate des früheren Siemens-Chefs betroffen sind, ließ der Anwalt offen. "Ich könnte mir vorstellen, dass das eine einheitliche Linie ist, das muss aber von Fall zu Fall entschieden werden."

Münchener Rück sieht keinen Handlungsbedarf

Pierer ist auch Mitglied der Kontrollgremien des Rückversicherers Münchener Rück und von Thyssen-Krupp. Eine Sprecherin von Münchener Rück wollte Pierers Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank nicht näher kommentieren. "Für uns steht seine persönliche Integrität außer Zweifel", sagte sie. Dem Kontrollgremium des weltweit zweitgrößten Rückversicherers gehört Pierer seit Juli 1999 an. "Er ist vertraut mit unserem Geschäft", sagte die Sprecherin. Die nächsten regulären Wahlen zum Aufsichtsrat des Rückversicherers stehen im April 2009 an.

Pierer war in der Schmiergeld-Affäre zuletzt zunehmend unter Druck geraten, nachdem ihm laut Medienberichten frühere Manager des konzerneigenen IT-Dienstleisters SBS vorgeworfen hatten, er habe sie zu fragwürdigen Provisionszahlungen im Zusammenhang mit einem Argentinien-Geschäft angehalten. Pierer selbst hatte dagegen stets beteuert, von den schwarzen Kassen nichts gewusst zu haben. Im ersten Prozess in der Schmiergeld-Affäre soll Pierer nach übereinstimmenden Medienberichten im Juni als Zeuge aussagen. Der Untreue-Prozess gegen den früheren Siemens-Direktor Reinhard S. beginnt in der kommenden Woche.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte sich in einem Interview im Mai 2007 im Zusammenhang mit der Siemens-Affäre für ein kompromissloses Vorgehen gegen Korruption ausgesprochen. "Ich kann auf mich bezogen sagen: Wenn in der Deutschen Bank systematisch solche Dinge aufbrechen würden, würde ich morgen zurücktreten. Denn entweder war ich Teil davon, dann gehöre ich sowieso weg, oder ich habe es nicht gewusst, dann habe ich nicht geführt", sagte Ackermann dem "Zeit-Magazin Leben“. Es gebe "kein Geschäft, das es wert ist, den eigenen Ruf zu ruinieren", betonte Ackermann. (sf/dpa)

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