Wirtschaft : Voreiliger Katastrophenalarm

-

Von Flora Wisdorff

Ob Flut oder Dürre: Extremes Wetter macht den Bauern die Ernte kaputt – und lässt sie zu Bittstellern werden. Während sie im Sommer 2002 wegen des vielen Regens beim Landwirtschaftsministerium und der Europäischen Kommission anklopften und um Geld baten, tun sie das nun wegen der vielen Sonne. Die Regierungen haben Mitleid – zusammen mit ihren italienischen, französischen und österreichischen Kollegen wird Landwirtschaftsministerin Renate Künast am Dienstag in Brüssel diskutieren, wie man den Bauern helfen kann. Das Ganze ist jedes Mal ein langwieriger Prozess, und die Bauern befürchten zu Recht, dass die Finanzhilfe wegen der Brüsseler Sommerpause zu spät kommen könnte.

Die Idee einer „Mehrgefahrenversicherung“, die die Bauern gegen schlechtes Wetter versichert, wäre unkomplizierter – und würde den Landwirten Planungssicherheit geben. In Spanien und Österreich gibt es die Assekuranz bereits. Schon seit Monaten diskutiert Agrarkommissar Franz Fischler mit den EULandwirtschaftsministern darüber. Aber viel hat sich noch nicht bewegt. Der Grund: das fehlende Geld.

Besser wäre eine private Wetterversicherung. Es ist ja nicht so, als gäbe es keine marktgerechten Lösungen. Schon heute sichern sich Spargelbauern, Erdbeerplantagenbesitzer und Reisfeld-Eigentümer mit Wetterderivaten gegen extreme Wetterlagen und Ernteausfälle ab. Das sollten alle tun: Denn das Wetter ist nun mal ein Betriebsrisiko für einen Landwirt. Was nicht heißt, dass der Staat bei wirklichen Katastrophen nicht helfen darf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben