Wirtschaft : Vorerst keine staatliche Hilfe für Cargolifter

asi/fo

Der brandenburgische Luftschiffbauer Cargolifter AG kann vorerst nicht auf finanzielle Hilfe der Bundesregierung hoffen. Das Wirtschaftsministerium wartet nach Informationen des Tagesspiegel auf detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Unternehmens, um Entscheidungen treffen zu können. Cargolifter hat nach Angaben von Vorstandschef Carl von Gablenz Anfang des Jahres ein bedingt rückzahlbares Darlehn von 300 Millionen Euro beantragt. Das Wirtschaftsministerium spricht nur von einer Voranfrage.

Eine Beihilfe für das Unternehmen, das ein Superluftschiff für Schwerlasttransporte bauen will, könnte frühestens im Bundeshaushalt 2003 berücksichtigt und auch ausgezahlt werden. Kurzfristig bringt das kein frisches Geld für Cargolifter.

Firmenchef von Gabelenz bestreitet eine akute Finanzkrise seines Unternehmens. "Die Vermutung ist falsch," sagte er auf Anfrage des Tagesspiegels. Nach der Kapitalerhöhung im Herbst letzten Jahres, die rund 34 Millionen Euro brachte und Wegen der eingeleiteten Sparmaßnahmen reichten die liquiden Mittel über den März 2002 hnaus. Spekulationen um die angespannte Finanzlage des Unternehmens wies er mit dem Hinweis zurück, dass "wir uns schon immer nur die Mittel für einige Monate bi unseren Aktionären beholt haben."

Der Cargolist-Gründer setzt zur kurszfristigen Weiterfinanzierung seines ehrgeizigen Projekts auf Kapitalmaßnahmen, die von den Aktionären auf der Hauptversammlung am 16. März beschlossen werden sollen. Geplant ist eine Kapitalerhöhung, bei der jedem der 70 000 Aktionäre eine weitere Aktie angeboten wird. Bei derzeit rund 33 Millionen Cagolifter-Aktien und einem aktuellen Kurs von rund 3,50 Euro ergäbe das mehr als 100 Millionen Euro. Vorausgesetzt, alle Aktionäre nehmen das Angebot wahr.

Als Finanzierungsalternative steht Cargolifter eine bereits bestehende Wandel-Optionsanleihe von 150 Millionen Euro zur Verfügung, die jetzt um wetere 50 Millionen Euro aufgestockt werden soll. Die Optionsscheine können später in Aktien des Unternehmens umgetauscht werden. Aber auch hier müssen die Investoren die Papiere abnehmen. Gabelenz ist überzeugt davon, dass di Finanzierung des Luftschiff-Projekte wie in der vergangenen Jahren braucht aber kurzfristig neues Geld. Das von Carl von Gablenz gegründete und geleitete Unternehmen hat akute Finanzierungsprobleme beim Bau eines neuartigen Luftschiffes zum Transport schwerer Lasten bis zu 160 Tonnen. Kurzfristig werden daher Investoren und staatliche Hilfen benötigt. Die Liquidität des Unternehmens reicht früheren Angaben zufolge nur noch bis Ende März.

Gablenz hat bislang staatliche Fördergelder von 45 Millionen Euro für den Bau der riesigen Konstruktionshalle in Brand nahe Berlin in Anspruch genommen. Allein dafür betrugen die Investitionen 75 Millionen Euro. Darüber hinaus besteht ein Bürgschaftsrahmen von knapp 67 Millionen Euro, der nach Firmenangaben noch nicht ausgeschöpft ist.

Nachdem es aber ständig neue Verzögerungen bei dem Projekt gab, wurden die Mittel schneller verbraucht als zunächst erwartet. Gablenz meldete daher Anfang des Jahres Anspruch auf staatliche Fördermittel in Höhe von 300 Millionen Euro an. "Cargolifter ist ein Technologieprojekt der Luft- und Raumfahrt und es gibt keinen Grund, warum wir nicht wie Dornier oder Airbus im üblichen Rahmen gefördert werden können," sagte der Unternehmenschef.

Bislang haben seinen Angaben zufolge private Investoren 300 Millionn Euro in das Luftschiffprojekt gesteckt. Allein der Börsengang im Mai 2000 brachte rund 120 Millionen Euro in die Kasse. Nach dieser Vorleistung, meint Gablenz, sei es angemessen, wenn die öffentliche Hand mit einem Engagement in dieser Größenordnung nachziehe.

Der finanzielle Gesamtbedarf für das Projekt wird zur Zeit mit 590 Millionen Euro beziffert und liegt damit deutlich über Beträgen, die noch vor einigen Jahren vom Unternehmen genannt worden waren. Im Jahr 2003 soll das erste Luftschiff zu Erprobungszwecken starten. Erst dann kann das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig seine Tests durchführen und seine Betriebsgenehmigung erteilen. 2004 oder 2005 will Cargolifter in die Serienfertigung einsteigen und Luftschifftransporte kommerziell betreiben. Nach den urspünglichen Geschäftsplänen will Cargolifter mit dem Verkauf der Luftschiffe 20 Prozent, mit dem eigentlichen Gütertransport aber 68 Prozent der Einnahmen erzielen. Vor zwei Jahren hoffte von Gablenz, mit dem Start der Serie auch in die schwarzen Zahlen zu kommen. Bis heute summieren sich die Anlaufverluste auf 205 Millionen Euro.

Ende Mai 2000 waren die Aktien der Cargolifter AG zum Preis von 15 Euro an die Börse gekommen. Im Zuge des Technologiebooms stieg das Papier zeitweise auf 28 Euro. Nach Bekanntwerden der Finanzierungsprobleme brach die Aktie aber ein. Am Mittwoch notierte sie wieder über drei Euro und stieg zeitweise um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag. Auf der Hauptversammlung am 16. März will Gablenz seine Aktionäre über die Lösung der Finanzierungskrise unterrichten.

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