Vorerst keine Streiks im Schienenverkehr : Lokführer und Deutsche Bahn wollen wieder verhandeln

Die Gewerkschaft GDL hatte mit einem raschen Arbeitskampf gedroht. Nun rudert sie zurück - sie will zunächst noch über das neue Angebot des Staatskonzerns verhandeln.

Carsten Brönstrup
Ein Lokführer steigt von einer Lokomotive ab.
Abgestiegen. Schon wenige streikende Lokführer können große Teile des Bahn-Netzes lahm legen. Das wird vorerst nicht passieren,...Foto: dpa

Einen Streik der Lokführer wird es vorerst nicht geben. Man wolle zunächst das neue Angebot der Deutschen Bahn prüfen, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Donnerstag dem Tagesspiegel. Vorerst verzichte man nun auf Streiks, dies gelte für den gesamten Januar. Die GDL will mit der Bahn eine Reihe von Fragen zu der Offerte klären und dazu bis Ende des Monats das Gespräch suchen. Ursprünglich hatten die Streiks ab diesem Donnerstag beginnen sollen. Die Bahn beschäftigt rund 20000 Lokführer.

 

Die GDL fordert von der Bahn eine Versicherung gegen den Verlust des Führerscheins für Lokführer. Der Konzern soll den bisherigen Lohn inklusive möglicher Steigerungen weiter zahlen und die Versicherungsprämien voll übernehmen. Die Bahn hatte am Dienstag erklärt, eine solche Versicherung gebe es auf dem Markt nicht, zudem sei sie zu teuer. Gleichwohl bietet sie der Gewerkschaft an, das bisherige Entgelt weiter zu zahlen – aber nur, wenn die Berufsunfähigkeit darauf zurückgeht, dass ein Lokführer mit seinem Zug einen Selbstmörder überfahren hat und daraufhin arbeitsunfähig wird. Hintergrund: Im vergangenen Jahr konnten nach Angaben der Bahn 150 Lokführer ihren Job nicht mehr ausüben – aber nur 30 davon als Folge von Suiziden, der Rest ging auf andere Krankheiten und Suchtprobleme zurück.

Bahn geht auf viele der GDL-Forderungen ein

Alle Lokführer, die nicht mehr für den Fahrdienst tauglich sind, sollen zudem vor Kündigungen geschützt werden. Die Bahn bietet an, dass die berufsunfähige Lokführer alternativ mit einer Abfindung gehen können. Die werde so bemessen, dass für drei Jahre 80 Prozent des bisherigen Nettolohns gesichert sind.

Bahn und GDL verhandeln seit mehr als zwei Jahren. Lange war es um Beschäftigungssicherung und Absicherung von älteren Arbeitnehmern gegangen. Im Dezember hatte die GDL alle ihre Forderungen fallen gelassen und nur noch eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit gefordert. Hintergrund des forschen Auftretens sind womöglich auch die Betriebsratswahlen bei der Bahn, die im späten Frühjahr anstehen. Hier will die GDL weiter Boden gegenüber der größeren Bahn-Gewerkschaft EVG gutmachen.

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