Wirtschaft : Vorfall lässt japanische Börse kalt - Ausschläge nur bei einzelnen Werten

Das Atom-Unglück in der japanischen Brennelemente-Fabrik von Tokaimura hat die Börse in Tokio am Freitag relativ wenig erschüttert. Kursausschläge gab es nur bei einzelnen Aktien. Titel von Unternehmen, die direkt von dem Unglück betroffen waren, verbuchten starke Verluste. Dagegen gingen die Kurse von Jod-Herstellern sprunghaft in die Höhe. Das chemische Element Jod wird gegen Strahlenschäden eingesetzt.

Besonders hart hat es die Muttergesellschaft des Betreibers der Unglücks-Anlage getroffen: Für die Titel der Sumitomo Metal Mining gab es über die gesamte Sitzung hinweg nur Verkaufs-Angebote; der Kursverlust erreichte die festgesetzte Höchstgrenze für mögliche Tagesabschläge von 100 Yen auf 427 Yen, das entspricht 19 Prozent. Hitachi gaben 3,4 Prozent auf 1140 Yen ab. Der größte Hersteller von Elektro-Ausrüstungen musste eine seiner Produktionsstätten in der Nähe des Unglücksortes 140 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio schließen.

Dagegen sprangen die Titel des größten Jod-Herstellers der Welt, Ise Chemicals, um knapp 17 Prozent auf 555 Yen. Der Wettbewerber Kanto Natural Gas Development verbuchte für seine Papiere ein Plus von 3,8 Prozent auf 570 Yen. Die Werte von Nihon Nosan Kogyo KK stiegen um knapp neun Prozent auf 245 Yen; das Unternehmen produziert mit Jod angereicherte Eier.

Insgesamt reagierten die japanische Finanzmärkte aber relativ gelassen auf das Unglück. Der Yen gab nur vorübergehend zum Dollar nach, erholte sich aber rasch wieder, nachdem bekannt wurde, dass die Kettenreaktion gestoppt ist. An der Tokioter Börse wurde das Geschehen laut Händlern vor allem von guten Konjunkturnachrichten bestimmt: Die Arbeitslosigkeit war in Japan im August überraschend von 4,9 auf 4,7 Prozent gesunken. Bis zum Börsenschluss legte so der Nikkei-Index um 0,61 Prozent auf 17 712,66 Punkte zu. Der Yen-Kurs erholte sich schon bis Eröffnung der europäischen Märkte deutlich. Der Dollar fiel um gut einen Yen auf 105,75 Yen.

Nach Einschätzung von Finanzminister Kichi Miyazawa wird der Atomunfall keine großen Folgen für die japanische Wirtschaft haben. Das Finanzministerium werde nötigenfalls Mittel zur Verfügung stellen.

Bei dem Unglück am Donnerstag waren nach letzten Angaben 39 Menschen verstrahlt worden. In der Anlage, in der Brennelemente für Atommeiler hergestellt werden, war eine zuviel Plutonium in einen Tank eingefüllt worden, so dass in einer Reaktion mit der Tankfüllung eine "kritische Masse" und eine Kettenreaktion entstand.

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