Wirtschaft : Vorleistung für schlechte Zahler

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Wenn das Geld in den öffentlichen Kassen knapp wird, leiden die Handwerksbetriebe. Sie müssen entlassen. Denn ein Großteil ihres Geschäfts hängt, wie bei der Baubetrieb Pagefa in Berlin, zu fünfzig oder mehr Prozent an öffentlichen Aufträgen. Zeiten ohne Aufträge sind in der Baubranche üblich. Wie die großen Bauunternehmen haben auch die kleineren Handwerksbetriebe mit den Ausgabensperren der Städte und Kommunen zu kämpfen. Die Ausgaben der Gebietskörperschaften für Baumaßnahmen sind von 1992 bis 2002 in Westdeutschland um 27 Prozent eingebrochen, in Ostdeutschland sogar um fast 50 Prozent.

Doch das alleine ist nicht das Problem. „Das Schlimmste ist die schwankende Nachfrage“, erklärt Christian Guss, Chef der Pegefa. „Mal gibt es Geld, mal nicht. “ Planen sei unmöglich. Damit fördere die öffentliche Hand letztendlich nur Schwarzarbeit. Denn die Betriebe könnten ohne Aufträge die Mitarbeiter nicht halten. Kommen dann Aufträge, hat der Betrieb keine Kapazitäten mehr. „Und einen Auftrag abzulehnen, kann sich auch niemand leisten. Dann bleiben Folgeaufträge aus“, sagt Guss.

Liquiditätsprobleme bekommen die Betriebe durch die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber. Unternehmen müssen oft Monate warten, bis Geld eingeht. Bis dahin hätten viele Betriebe schon Mitarbeiter entlassen oder das ganze Unternehmen geht Pleite, klagen die Handwerker. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Dieter Philipp, macht Druck bei den Behörden. Doch viel hilft es nicht. Trotz der schlechten Zahlungsmoral müssen Betriebe ab 125 000 Euro Umsatz im Westen oder 500 000 Euro im Osten bereits mit 16 Prozent Umsatzsteuer in Vorleistung gegenüber dem Fiskus treten. „Wenn ich nicht sofort zahle, stehen die mit dem Gerichtsvollzieher vor der Tür“, sagt ein Handwerker. Die offenen Rechnungen der öffentlichen Hand dürfe er aber nicht mit den Steuern verrechnen.l an

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