Wirtschaft : Vorschlag von Sozialethiker: Musterdepot soll verantwortungsvolle Anlagen erleichtern

Die Zahlen sprechen für sich. Im "guten dreistelligen Milliardenbereich" liegt nach Schätzungen des katholischen Sozialethikers Johannes Hoffmann die Summe, die Kirchen und kirchliche Einrichtungen zurzeit bei Banken angelegt haben. Sie sind ein wichtiger Kunde auf dem Kapitalmarkt. "Und dazu ein Anleger, der ethisch motiviert sein muss", sagt der Frankfurter Professor. Die Kirchen könnten daher ein Umdenken bei Geldanlagen einleiten, glaubt er. Wenn sie stärker auf Sozial- und Umweltaspekte achten, wäre das ein erster Schritt dahin, ethischen Fragen für alle Investoren und in Banken mehr Gewicht zu verleihen. Gemeinsam mit Ökonomen und Umweltethikern hat er ethische Kriterien zur Bewertung von Unternehmen und Banken entwickelt. Nun erarbeitet er ein Musterportfolio für kirchliche Anleger, das im Herbst der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. 13 Ordensgemeinschaften haben der Gruppe ihre Finanzen offen gelegt. Etwa ein Drittel sei in Aktien angelegt, meist in Standardwerten, der Rest in fest verzinslichen Wertpapieren, so Hoffmann.

"In der Regel investieren kirchliche Anleger konventionell", urteilt Karin Astrid Siegmann vom ökumenischen Institut "Südwind". Wenn es Anlagekriterien gebe, würde ihre Umsetzung oft nicht systematisch überprüft. Auch Kirchenbanken ließen einen großen Teil der Gelder von konventionellen Investmentgesellschaften verwalten. "Das Gros des Geldes aber wird als Darlehen wieder kirchlichen und diakonischen Einrichtungen zur Verfügung gestellt", so ein Sprecher der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel. "Es gibt keine generellen Grundsätze für die Geldanlage, aber es gilt die Devise, nicht in Rüstungswerte zu investieren", sagt Helmut Herborg, Leiter der Finanzabteilung der Evangelischen Kirche. Deren Geld sei hauptsächlich in fest verzinslichen Wertpapieren angelegt sowie in einem gemischten Fonds. Die Schätzung Hoffmanns, dass die Kirchen eine dreistellige Milliardensumme angelegt hätten, erscheint Herborg allerdings "abenteuerlich".

Allgemein verbindliche Anlagerichtlinien gebe es nicht, aber "geschriebene oder ungeschriebene Grundsätze", berichtet auch Hans Wendtner vom katholischen Verband der Diözesen Deutschlands. So halte kein Bistum Aktien der Firma Schering, die Antibaby-Pillen produziert. In Gesprächen mit Vertretern der Banken spielten ethische Vorgaben auch eine Rolle. In den Augen vieler gehört es auch zum verantwortungsvollem Umgang, mit dem Geld von Spendern und Kirchensteuerzahlern eine möglichst hohe Rendite für den guten Zweck zu erwirtschaften. "Rendite und Ethik schließen sich nicht aus", sagt Hoffmann.

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