Wirtschaft : Vorschuss für die Hypo-Vereinsbank

-

Von Henrik Mortsiefer

Das wird ein harter Job für Dieter Rampl. Der neue Chef der HypoVereinsbank (HVB) übernimmt die Führung in einem Kreditinstitut, das seine besten Zeiten hinter sich zu haben scheint. Als besonders gefährlich könnten sich in den kommenden Monaten die schlummernden Risiken erweisen, die die HVB in ihren Bilanzen mitschleppt. Niemand sollte glauben, dass Rampl hier schnell aufräumen kann. Im Gegenteil: Sollte es mit der Konjunktur und am Aktienmarkt nicht bald wieder aufwärts gehen, stehen der Hypo-Vereinsbank die schlimmsten Stürme noch bevor. Die Bank führt mit 450 Milliarden Euro das größte Kreditbuch in Europa – sie hat so viel Geld ausgeliehen wie Dresdner Bank und Commerzbank zusammen. Schon allein das ist eine schwere Last. Hinzu kommt aber, dass es Rampls Vorgängern nicht gelungen ist, die Kreditvergabe an den Mittelstand zu reduzieren. Neben den großen Pleiten wie Kirch, Fairchild Dornier oder Holzmann, erreicht nun auch die Pleitewelle bei den Mittelständlern die Bank. Rampl wird womöglich bald einräumen müssen, dass selbst die auf 3,3 Milliarden Euro erhöhte Risikovorsorge nicht ausreicht.

Ein Pfund hat er allerdings: seine erprobte Integrität. Der neue Vorstandschef kennt die Hypo-Vereinsbank seit Lehrlingszeiten, er hat einen guten Ruf bei Mitarbeitern und in der Branche und er hat das Firmenkundengeschäft saniert. Die Hypo-Vereinsbank wird deshalb noch nicht über Nacht profitabel. Aber Rampl sollte in der Lage sein, Kapital zu mobilisieren, das in keiner Bankbilanz auftaucht: das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern und Eigentümern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben