Wirtschaft : Vorschusslorbeeren für Infineon

Der Dienstag brachte für Infineon-Aktionäre auf den ersten Blick nicht Gutes. Da hatten sich die Kurse in den letzten Wochen gerade wieder erholt, da entledigt sich der Mutter-Konzern Siemens wieder einmal einer großen Tranche seiner eigenen Infineon-Papiere. Gleichzeitig suchte der Chipproduzent mit einer milliardenschweren Wandelanleihe nach neuen Kreditgebern.

Dabei lässt die Wandelanleihe - und deren Aufnahme durch die Investoren - Hoffnungen auf positive Überraschungen aufkommen. Die Nachfrage nach der Anleihe war groß, dass die Schuldscheine - im Wert von einer Milliarde Euro - nach 30 Minuten verkauft waren. Dies zeigt: Investoren sind wieder bereit, ihr Geld in Hochtechnologie zu investieren. Hier werden große Chancen gesehen, von einem Wirtschaftsaufschwung in Europa und den USA bereits frühzeitig zu profitieren. Denn gerade die Chipindustrie gilt als Branche, die zuerst von einem Aufschwung profitiert. Bereits in den vergangenen Wochen registrierte die Branche anziehende Preise. Hält der Trend an, gibt es für Infineon genügend Möglichkeiten, das frische Kapital sinnvoll auszugeben. Der Chipproduzent muss dringend einen neuen Kooperationspartner für DRAM-Speicherchips finden, nachdem die Gespräche mit Toshiba im Dezember scheiterten. Hier steht die Branche vor einer grundlegenden Konsolidierung - und Infineon ist nur der weltweit viertgrößte Hersteller. Eine gefüllte Kasse wird Infineon für potenzielle Partner attraktiver machen. Außerdem besitzt Infineon mit den so genannten 300-Millimeter-Wafern, die seit kurzem in Dresden bei der Chipproduktion eingesetzt werden, einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil. Wenn sich das Bild für die Chiphersteller schnell aufhellt, sind die gestrigen Kursverluste für die Infineon-Aktie schnell vergessen.

Aber Infineon muss jetzt sagen, was es mit dem Geld vor hat und es sinnvoll investieren. Infineon muss schnell aus den roten Zahlen kommen. Anleger hassen seit dem Debakel am Neuen Markt nichts mehr als das Gefühl, mit ihrem Geld nur aktuelle Löcher in Bilanzen zu stopfen. Denn die Chipbranche bleibt anfällig für Konjunktur-Schwankungen.

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