Vorsitzender des Beamtenbundes : Ulrich Silberbach löst Klaus Dauderstädt ab

Der Beamtenbund bekommt einen neuen Vorsitzenden. Zuletzt hat der öffentliche Dienst eine deutliche Aufwertung erfahren.

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Unauffällig führte Klaus Dauderstädt, auf dem Foto rechts hinter Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, in den vergangenen Jahren den Beamtenbund. Doch wenn sich die Regierung mit den Sozialpartnern austauschte, war auch der dbb-Vorsitzende dabei.
Unauffällig führte Klaus Dauderstädt, auf dem Foto rechts hinter Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, in den vergangenen Jahren den...Foto: Bernd Settnik/dpa

Die deutschen Beamten bekommen einen neuen Cheflobbyisten. Ulrich Silberbach soll Vorsitzender des Beamtenbundes (dbb) werden. Darauf haben sich die großen dbb-Gewerkschaften bereits verständigt, obgleich die Wahl des Nachfolgers von Klaus Dauderstädt erst im November ansteht. Der dbb vertritt die Interessen von rund 1,3 Millionen Beamten und Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst. Er ist damit die wichtigste Interessenvertretung der Beamten und dazu Dachverband für ein paar Dutzend Gewerkschaften aus dem Staatsdienst.

Die „Big Five“, wie die fünf größten dbb-Gewerkschaften genannt werden, haben sich auf Silberbach geeinigt. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Der 55-Jährige ist Vorsitzender der Gewerkschaft Komba, mit rund 90 000 Mitgliedern eine der Big-Five-Organisationen. Das CDU-Mitglied Silberbach amtiert zudem seit 2011 als stellvertretender dbb-Vorsitzender. Schließlich kommt außer Silberbach niemand sonst aus der neun Personen umfassenden Bundesleitung des dbb infrage für den Posten an der Spitze.

Der Nachfolger Klaus Dauderstädts wird am 20. November in Berlin von den 630 Delegierten des Gewerkschaftstages für die kommenden fünf Jahre gewählt. 2012 war Dauderstädt auf Peter Heesen gefolgt, der nicht wieder angetreten war. Und Dauderstädt, der im Herbst das 68. Lebensjahr vollendet, geht nun ebenfalls in den Ruhestand.

Auf Ausgleich bedachte Führung

Anders als der gewichtige Rheinländer Heesen führte der schmale Dauderstädt den Beamtenbund behutsam und auf Ausgleich bedacht. Das war vermutlich auch nötig nach den anstrengenden Heesen- Jahren. Mit bisweilen brachialer Pädagogik hatte der gelernte Lehrer Heesen die gewissermaßen aus Tradition träge Beamtenorganisation auf Modernisierungskurs gezwungen. Die Beamten wurden mit den Tarifbeschäftigten und deren Gewerkschaften enger zusammengeführt; ein Ergebnis davon war die Wahl Dauderstädts als erster Nicht-Beamte an die Spitze des dbb.

Heesen befürwortete eine stärkte Vergütung nach Leistung und förderte die Tarifgemeinschaft der dbb-Gewerkschaften mit den bisweilen verhassten DGB-Gewerkschaften. Heute trägt die Organisation den holprigen Namen „dbb Beamtenbund und Tarifunion“, und nach vielen Jahren des argwöhnischen Nebeneinander von Beamten und Angestellten haben sich die Verhältnisse beruhigt im Haus an der Berliner Friedrichstraße, wo der dbb residiert. Das ist auch ein Verdienst von Dauderstädt, der im Kontrast zum „Dominator“ Heesen die vergangenen Jahre als Moderator in der Organisation wirkte.

Ulrich Silberbach, 1961 in Köln geboren, wo er auch in der Stadtverwaltung eine Ausbildung absolvierte, ist seit Anfang der 1990er Jahre für die Komba tätig. Nach eigenen Angaben „die einzige Fachgewerkschaft für Beschäftigte der Kommunen“ und deren privatisierte Dienstleistungsunternehmen. Die Komba hat rund 90 000 Mitglieder und stellt 52 Delegierte des Gewerkschaftstages, der im November die neue dbb-Führung wählt. Zu den Big Five gehört ferner die Gewerkschaft VBE (Bildung und Erziehung), die Deutsche Steuergewerkschaft, die Deutsche Polizeigewerkschaft sowie der Philologenverband. Eine der bekannteren Organisationen unter dem Dach des dbb ist die Gewerkschaft der Lokführer (GdL), dessen Vorsitzender Claus Weselsky auch der Bundesleitung angehört.

Beamte haben schwere Jahre hinter sich

„Das Berufsbeamtentum retten“, hört man immer wieder, wenn man dbb-Gewerkschafter auf die größte Herausforderung für den designierten Vorsitzenden Silberbach anspricht. Die Beamten haben schwere Jahre hinter sich. Die Arbeitszeit wurde verlängert und liegt inzwischen in fast allen Bundesländern bei über 40 Wochenstunden; es ging ans Urlaubs- und Weihnachtsgeld, und die 1:1-Übertragung der Tariferhöhungen für die Angestellten auf die Beamten wurde seit der Föderalismusreform 2006 seltener. Jetzt haben die Beamten Angst vor einer Bürgerversicherung, die droht, wenn demnächst eine rot-rot-grüne Bundesregierung ihre Vorstellung von einer solidarischen Sozialversicherung umsetzen sollte – inklusive Beamter. Deren Standesvertreter sorgen sich um das letzte verbliebene Privileg – die sichere und vergleichsweise großzügige Pension.

Der öffentliche Dienst und mithin auch die Beamten haben zuletzt eine deutliche Aufwertung erfahren: Sicherheit, Bildung, Pflege und Gesundheit sind ohne einen starken öffentlichen Dienst hierzulande nicht denkbar. Entsprechend fielen die Tarifabschlüsse in jüngster Zeit aus. Die Arbeitgeber in Bund, Ländern und Kommunen müssen mehr Geld in die Hand nehmen, damit sie im Wettbewerb um Nachwuchs und Fachkräfte überhaupt eine Chance haben. Das ist eine Frage des Geldes, aber auch Image und Status spielen eine Rolle. Wie sagte doch Angela Merkel, die oberste Staatsdienerin kürzlich auf der Jahrestagung des dbb: „Unsere Lebensqualität hängt vom öffentlichen Dienst ab.“

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