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Vorsorge in Eigenregie : Wie man die Renten-Lücke schließt

15.05.2013 17:32 Uhrvon
Fit sein bis ins hohe Alter ist ein Wunsch vieler Senioren. Das Leben im Ruhestand muss man sich allerdings leisten können.Bild vergrößern
Fit sein bis ins hohe Alter ist ein Wunsch vieler Senioren. Das Leben im Ruhestand muss man sich allerdings leisten können. - Foto: dpa

Die gesetzliche Rente wirft bestenfalls 60 Prozent des letzten Nettoeinkommens ab. Fast 90 Prozent sind aber für einen sorgenfreien Lebensabend empfohlen.

Immer wieder schrecken Rechnungen auf: 21 Millionen Deutsche, ergab kürzlich die Studie „Vorsorgeatlas Deutschland“, sorgen nicht ausreichend fürs Alter vor. Sie verlassen sich auf die gesetzliche Rente, die aber im Schnitt 800 Euro zu wenig bringe, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern, so der Autor der Studie, Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. Vor allem bei Frauen ergebe sich eine Versorgungslücke.

Unerfreuliches ergab auch eine Studie der Universität Bochum. Sie ermittelte in 11 000 Haushalten, wie zufrieden Rentner mit ihrem Einkommen sind – und leitete daraus ab: 87 Prozent des letzten Nettoeinkommens wären im Schnitt notwendig, um sorgenfrei den Lebensabend genießen zu können.

Doch die gesetzliche Rente wirft bei Arbeitern und Angestellten bestenfalls 60 Prozent ab, und dies auch nur gemessen am lebenslangen Durchschnittseinkommen. Im Schnitt sind es derzeit sogar nur 55 Prozent, Tendenz sinkend. Aktuell liegt die maximal erzielbare gesetzliche Rente nach 45 Beitragsjahren bei etwa 2200 Euro, die steuerpflichtig sind. Die heute 24- bis 30-Jährigen werden laut Studie nur noch mit 38 Prozent vom letzten Bruttoeinkommen rechnen können.

DIE LÜCKE FINDEN

Zwar haben die Auftraggeber beider Studien, die Fondsgesellschaften Union Investment und Fidelity, ein gewisses Interesse daran, die Vorsorgelücken möglichst groß darzustellen. Dennoch ist unbestritten, dass die gesetzliche Vorsorge nicht ausreicht und ein Gutteil der Arbeitnehmer ohne zusätzliche Polster in der Rente den Gürtel erheblich enger schnallen muss. Doch wie findet ein Arbeitnehmer heraus, wie viel er jeden Monat zur Seite legen muss?

Ein Anhaltspunkt sind die Bescheide der Rentenversicherung. Der zweite Schritt ist die Ermittlung des finanziellen Bedarfs im Alter: Hier gilt es grob zu überschlagen, wie dick der Geldbeutel ist, wenn Be- und Entlastungen mitgerechnet werden. Dazu zählen auf der Seite der Entlastungen etwa Kredite und Immobilien, die abbezahlt sind, Kinder, die bis dahin auf eigenen Füßen stehen, Erbschaften und andere Zusatzeinkünfte, oder auch der gesetzliche Krankenkassenbeitrag, der schrumpft, weil die Rente niedriger ist als das bisherige Einkommen. Eine wichtige Entlastung sind zudem Ansprüche aus Betriebsrenten oder berufsständischen Versorgungswerken.

Umgekehrt entsteht womöglich zusätzlicher Geldbedarf, etwa durch zusätzliche Aufwendungen für Reisen, die Gesundheit, den altengerechten Umbau der Immobilie, einen höheren Beitrag in der privaten Krankenversicherung oder eine Pflegekraft. Wer noch jung ist, kann dies alles noch nicht abschätzen. Für alle gilt jedoch nicht nur „viel hilft viel“, sondern vor allem: je länger, desto besser.

EINE BEISPIELRECHNUNG

Ein Beispiel: Wer zu Rentenbeginn 100 000 Euro auf der hohen Kante haben möchte und derzeit 40 Jahre alt ist, muss bei drei Prozent durchschnittlicher Verzinsung 225 Euro pro Monat zurücklegen. Ist er erst 20 und kann damit 45 Jahre sparen, reichen bereits 89 Euro für das gleiche Ergebnis. Auch die Rendite wirkt auf lange Sicht massiv: Jene 89 Euro für den gleichen Zeitraum, aber zu fünf Prozent angelegt, führen zu 75 Prozent mehr Endkapital, nämlich zu 175 200 Euro. Aber: Kaum jemand berücksichtigt bei der Planung die Faktoren Steuer und Inflation. Jene 175 200 Euro haben, selbst bei einer durchschnittlichen Inflation von nur zwei Prozent, in 45 Jahren nur noch eine Kaufkraft von knapp 72 000 Euro. Zweitens muss der Anleger von seinen Sparerträgen 25 Prozent an den Staat abführen bzw. bei Versicherungen 50 Prozent der Erträge versteuern. Der Riester-Sparer, der mit staatlicher Hilfe vorsorgt, muss einkalkulieren, dass er seine Zusatzrente versteuern muss.

Sparen in Eigenregie erfordert nicht nur Disziplin, sondern auch eine Vorstellung davon, für wie lange die angesparte Summe am Ende reicht. 100 000 Euro etwa erlauben eine monatliche Auszahlung von rund 550 Euro für 20 Jahre, bei einem Zinssatz von drei Prozent. Mit 85 jedoch wäre das Geld dann weg. Bei den oben genannten 175 200 Euro stiege die Zusatzrente gleich auf 965 Euro für 20 Jahre. Grundsätzlich gilt nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge: Eine Familie, die die Rentenlücke nicht durch längere Berufstätigkeit, sondern durch stetiges Sparen schließen will, muss im Schnitt sieben bis acht Prozent ihres Bruttoeinkommens zur Seite legen.

DIE INSTRUMENTE

Welche Vorsorge-Variante geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab: der persönlichen Risikobereitschaft, dem Familienstand, den Zukunftsplänen oder dem Alter. Ein Berufsanfänger mit 20 kann die Vorteile der langen Ansparzeit nutzen – und die sichere Riester-Rente mit den Chancen von Aktien kombinieren. Ältere werden sichere Erträge aus festverzinslichen Papieren bevorzugen, müssen sich deshalb jedoch mit geringeren Renditen zufriedengeben.

Riester: Förderberechtigte müssen vier Prozent ihres Bruttoeinkommens selbst einzahlen, erhalten vom Staat dafür 154 Euro plus 185 bis 300 Euro pro Kind dazu. Angelegt werden kann in Fonds- oder Banksparplänen, Rentenversicherungen oder in der eigenen Immobilie. Das eingezahlte Kapital ist garantiert. Es wird bei Rentenbeginn in eine monatliche Zahlung umgewandelt, die zu versteuern ist. Allerdings: Vielen Riester-Papieren haftet der Makel schlechter Renditen dank hoher Gebühren an. Berechnungen zufolge können auch Riester-Papiere allein die Rentenlücke nicht schließen.



Fondssparpläne: Wer seit 35 Jahren regelmäßig mit deutschen Aktienfonds gespart hat, strich im Schnitt nach Abzug der Kosten pro Jahr eine Rendite von 7,6 Prozent ein. Aus 100 Euro, seit 1978 monatlich angelegt, wären also 196 427 Euro geworden, davon gut 154 000 Euro Gewinn – wovon sich der Staat die 25-prozentige Abgeltungsteuer einverleibt. Anders als im europäischen Ausland wird in Deutschland auch langfristiges privates Sparen fürs Alter nicht steuerlich begünstigt. Und: Die in der Vergangenheit erzielten Renditen sind bestenfalls ein Hinweis, nicht aber eine Garantie für die Zukunft.

Banksparpläne: Auch hier profitiert von einem stark steigenden Zinseszinseffekt, wer lange spart. Bei Banken und Sparkassen sind meist Sparraten ab 25 Euro pro Monat möglich. Zehn Euro genügen bereits bei der Siedlungsgemeinschaft Chemnitz, einem genossenschaftlichen Projekt, das Zinsen von 2,25 Prozent plus einen Bonus ab dem zweiten Sparjahr bietet. Wichtig bei Banksparplänen: Wegen der extrem niedrigen Zinsen sollte man auf eine variable Verzinsung achten.

Kapitallebens- und Rentenversicherungen: Bisher konnten Kunden nach 30 Jahren Spardauer noch mit gut fünf Prozent Beitragsrendite rechnen. Für die Zukunft gilt: Der Garantiezins von 1,75 Prozent schmilzt nach Berücksichtigung der Kosten stark, dieses Jahr im Schnitt auf 0,9 Prozent, wie der Versicherungsberater Assekurata ausgerechnet hat. Zum Garantiezins kommt die Überschussbeteiligung, die jedoch nur für das laufende Jahr sicher und seit 2000 von sieben Prozent auf 3,6 Prozent gesunken ist. Ablaufleistungen aus der Werbung sind stets Prognosen, auf die kein Verlass ist. Weiterer Nachteil: Stirbt der Rentner früh, ist das Geld oft weg. Zudem werden die hohen Provisionen in den ersten Jahren von den Beiträgen abgezogen, so dass die Guthaben viele Jahre lang niedriger sind als die eingezahlten Prämien.

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