Wirtschaft : Vorstände wehren sich gegen Blick in ihre Portemonnaies

hz/ant/HB

Die Forderung, die Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten detailliert offenzulegen, stößt bei einigen deutschen Konzernen auf offenen Widerstand. Eine Umfrage des "Handelsblatts" ergab, dass sich fünf der im Dax-30 gelisteten Unternehmen gegen die entsprechende Empfehlung der Cromme-Kommission sperren. Die Experten hatten in ihrem jüngst veröffentlichten Unternehmenskodex die langjährige Forderung von Aktionärsvertretern aufgenommen und sich dabei an den Verhaltensstandards für börsennotierte US-Gesellschaften orientiert.

Der Sportartikelhersteller Adidas, der Autokonzern BMW sowie der Technologiekonzern Siemens lehnen es ab, den Aktionären Einblick in die Gehaltsabrechnung ihrer Spitzenmanager zu gewähren. Auch SAP will sich den Empfehlungen offenbar nicht beugen: Das Unternehmen, das bereits interne Richtlinien zur Unternehmenssteuerung und Kontrolle (Corporate Governance) erstellte, sieht über diese Grundsätze hinaus "keinen Handlungsbedarf". Weniger drastisch die Ablehnung der Hypo-Vereinsbank: Die Zeit für so viel Transparenz sei noch nicht gekommen. "Wenn sich eine entsprechende Kultur in Deutschland entwickelt hat, werden auch wir darüber nachdenken."

Damit treibt der Ruf nach freiwilliger Offenheit einen Keil zwischen Deutschlands Großkonzerne. Vorreiter auf der Seite der Befürworter ist Schering-Chef Hubertus Erlen, der am Freitag seine Bezüge veröffentlichte. Erlen erhielt demnach für 2001 gut 2,656 Millionen Euro inklusive variabler Bezüge und Optionen. Thyssen-Krupp will diesem Beispiel folgen. Es bestehe hier im Grundsatz Einvernehmen mit dem Vorstand, sagte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der die gleichnamige Kommission leitet. Cromme hatte urspünglich damit gerechnet, dass der überwiegende Teil der Konzerne die Empfehlung zu mehr Offenheit in Sachen Vorstandsgehälter akzeptiert. Sie gilt jedoch als strittigster Bestandteil des Kodex.

"Wir halten eine individuelle Offenlegung für völlig unangemessen, weil sie auch für den Aktionär keinen Mehrwert schafft", sagt ein BMW-Sprecher. Siemens sieht die Persönlichkeitsrechte der Vorstände in Gefahr. Deren Bezüge werden bislang, wie allgemein üblich, im Geschäftsbericht pauschal ausgewiesen. Verhalten ist das Echo auch bei anderen Dax-Unternehmen. Der Chemiekonzern BASF will sich ebenso wie der Mischkonzern MAN und das Handelsunternehmen Metro dem Wunsch zwar nicht entziehen - aber ihm nur dann nachkommen, wenn sich die Mehrheit der Konzerne anschließt. Die meisten Unternehmen wagen sich aber noch nicht aus der Deckung.

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