Wirtschaft : Vorstand droht mit Auslagerung von Jobs

Arbeitsdirektor Norbert Hansen, bis vor kurzem Gewerkschaftschef, will die Personalkosten drücken

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn hat ihren Beschäftigten und den Gewerkschaften mit der Auslagerung von Beschäftigung gedroht, sollten diese sich gegen Zugeständnisse bei den Personalkosten sperren. Man müsse „Flexibilität zeigen“, wo die Bahn im Wettbewerb stehe und zu unterliegen drohe, sagte Norbert Hansen, der neue Arbeitsdirektor des Konzerns. Die Alternative seien „Outsourcing-Modelle“. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet kritisierte die Strategie der Bahn.

Hansen kündigte zudem an, über dieses Thema nicht nur mit den Gewerkschaften, sondern „direkt mit Betriebsräten und Beschäftigten“ sprechen zu wollen. Damit würde der Konzern in der Tarifpolitik neue Wege beschreiten. Hintergrund des Streits ist der verschärfte Wettbewerb im Regionalverkehr. Hier vergeben Länder und Verkehrsverbünde lukrative Aufträge mit langer Laufzeit – der Marktanteil der Bahn in diesem Bereich geht aber zurück, in diesem Jahr hat sie von sieben Vergaben erst eine gewonnen. Zuletzt ging das Bremer S-Bahn- Netz mit einem Jahresvolumen von rund 300 Millionen Euro verloren. Der Konzern verweist dazu auf die um mehr als 20 Prozent geringeren Lohnkosten der Konkurrenz. Die Regionalsparte DB Regio ist einer der wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns und wesentlicher Teil der Börsenstory.

Um den Wettbewerbern Paroli zu bieten, will die Bahn in regionalen Ausschreibungen nun mit neuen Tochtergesellschaften antreten, die ihrer Ansicht nach nicht mehr an das Tarifgefüge gebunden sind. Pikant ist, dass die Aufgabe zur Kostensenkung ausgerechnet Hansen zufällt. Er war bis Mitte Mai noch Chef der Gewerkschaft Transnet und ist seit Juni Bahn-Vorstand. Er wünsche sich, dass man eine „gemeinsame Lösung“ mit den Beschäftigten finde – alternativ müsse man auf eine Bewerbung um eine Strecke verzichten. Sein Vorstandschef Hartmut Mehdorn warnte zugleich, dass der Wettbewerb „in reines Lohndumping ausartet“. Die Beschäftigten sollten beim Schichtdienst und bei Pausen ähnlich flexibel sein wie die Konkurrenz – sonst „verlieren die Leute ihren Arbeitsplatz, und das wollen wir nicht“.

Alexander Kirchner, stellvertretender Transnet-Vorsitzender, sagte dieser Zeitung, mit ihrer Strategie setze die Bahn „eine Spirale nach unten in Gang“. Dies werde dazu führen, dass das Lohnniveau im Bahn-Bereich noch stärker unter Druck komme. „Die großen Bahn-Konkurrenten haben uns gegenüber erklärt, sie würden sich nicht mehr an den Tarifvertrag halten, wenn es die Bahn nicht mehr tut.“ Der Wettbewerb solle über Leistung und Service, nicht über den Lohn ausgetragen werden, verlangte der Gewerkschafter. Er kündigte eine Klage vor Gericht an, sollte die Bahn nicht die tariflich festgelegten Löhne zahlen. „Die großen Unternehmen, also die Bahn, Arriva oder Veolia, sollten sich endlich über einen branchenweiten Mindestlohn auf der Basis des heutigen Tarifniveaus verständigen“, verlangte er. Carsten Brönstrup

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