Wirtschaft : Vorstandschef Körber meinte "Wir wollen unseren Weg alleine gehen"

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Die Botschaft von Metro-Vorstandssprecher Hans-Joachim Körber ist unmissverständlich: "Die Metro AG ist groß genug, um ihren Weg alleine machen zu können", betont der Chef des Kölner Handelsriesen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dass Körber dies klar stellt, hat seinen Grund. In den vergangenen Wochen kursierten zunächst Gerüchte, der US-Handelskonzern Wal-Mart wolle den deutschen Konkurrenten übernehmen. Kaum dementiert, wurde Metro mit Kingfisher in Verbindung gebracht.

Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 14 Milliarden Euro nimmt sich die Metro AG gegenüber Wal-Mart mit derzeit umgerechnet 264 Milliarden Euro recht bescheiden aus. Auch Körber hält den Metro-Kurs von um die 40 Euro für enttäuschend niedrig. Er weist jedoch darauf hin, dass die Aktie sich im Durchschnitt der europäischen Händler bewege. Da sich die drei Hauptgesellschafter der Metro, die rund 57 Prozent des Kapitals halten, zu ihrem langfristigen Engagement bekannt haben, ist das Unternehmen zwar nicht durch eine Übernahme gefährdet. Mit einer intensiveren Investor-Relations- und Pressearbeit sowie der Koppelung der Managergehälter an die Entwicklung des Aktienkurses will Körber das Wertpapier aber stärken.

Grund für die Fusionsgerüchte sind aus Körbers Sicht die weit reichenden Veränderungen in Europas Handelslandschaft: "Wir erhalten eine veränderte Definition des Marktes. Deutschland wird zu Europa." Den Marktanteil, den ein Unternehmen in seinem Stammland habe, müsse es im Zuge der Globalisierung auch in Europa erreichen. Dieser Prozess finde jetzt statt.

Metro sieht sich dafür gut gerüstet. Denn als sich der Vorstand im November 1998 dazu entschloss, den weit diversifizierten Handelskonzern durch Ausgliederung von Randaktivitäten mit rund 16 Milliarden Mark Umsatz zu verschlanken, waren die verbliebenen vier Kernsparten mit Blick auf ihre Europa-Tauglichkeit ausgesucht worden: Kriterien für diese Auslese waren die Rentabilität, der Marktanteil (mindestens Position eins bis drei), ein Mindest-Umsatzvolumen und die Tauglichkeit des Konzepts für die Internationalisierung.

Deshalb sieht Vorstandssprecher Körber derzeit auch keinen akuten Zwang zu einer Fusion. "Wir sehen die Lage gelassen." Das heiße freilich nicht, dass der Markt nicht genau beobachtet werde. Es gebe durchaus Chancen, die Metro-Kernbereiche mittels einzelner Akquisitionen - etwa im Umsatzvolumen von zehn Milliarden Mark - zu arrondieren. Nach den Plänen des Vorstands soll der Konzernumsatz in den nächsten drei Jahren von 85,65 Milliarden auf etwa 120 Milliarden Mark erhöht werden.

Metro setzt vor allem auf organisches Wachstum in Richtung Osteuropa. Der Konzern ist inzwischen in 20 Ländern der Welt vertreten. "Wir eröffnen jährlich 50 Cash & Carry-Märkte und 50 Media-Märkte", sagt Körber.

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