Vorstandsgehälter : Ackermann mit 9,55 Millionen Euro an der Spitze

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verdiente 2009 am besten. Die großen Konzerne haben derweil die Vergütung des Vorstands umgestellt.

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Ein gutes Jahr hat die Deutsche Bank hinter sich. Und ihr Vorstandschef Josef Ackermann, dessen Bezügen sich versiebenfachten. Foto: vario-images
Ein gutes Jahr hat die Deutsche Bank hinter sich. Und ihr Vorstandschef Josef Ackermann, dessen Bezügen sich versiebenfachten....Foto: vario-images

Frankfurt am Main - Die Aufregung um das Gehalt von Josef Ackermann für das Geschäftsjahr 2009 hielt sich in diesem Jahr in Grenzen. Mit 9,55 Millionen Euro ist der Chef der Deutschen Bank zwar wieder der Bestverdienende unter den Top-Managern der 30 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne. Aber für die Versiebenfachung seiner Bezüge im Vergleich zum Vorjahr gibt es Gründe: Aus einem Netto-Verlust von 3,9 Milliarden Euro hat die Bank einen Netto-Gewinn von fünf Milliarden Euro gemacht. Das Gehalt des Bankers „atmet“ mit dem Auf und Ab des Instituts. Zum anderen ist es viel stärker als in der Vergangenheit an den langfristigen Erfolg der Bank geknüpft: Sofort hat Ackermann nur 30 Prozent seiner Bezüge erhalten, der Rest von 6,7 Millionen Euro wird erst in den nächsten Jahren ausbezahlt. Aktionärsschützer und Vergütungsexperten sind deshalb mit der Gehaltsstruktur bei der Deutschen Bank zufrieden.

Weil die meisten Dax-Konzerne im Gegensatz zur Deutschen Bank 2009 weniger verdient haben, sind auch die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden gesunken. „Alle gesetzlichen Vorgaben werden mehr und mehr umgesetzt,“ sagt Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Die Empfehlungen des internationalen Forums für Finanzstabilität sind erfüllt“, sagt auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsbezüge findet seinen Niederschlag, auch die Vorgabe, die Entlohnung am längerfristigen Erfolg auszurichten. Schließlich enthalten etliche Vergütungssysteme mittlerweile auch einen Malus-Faktor: Boni wandern zumindest zum Teil in einen Topf, der auch wieder leerer werden kann, wenn die Geschäfte schlecht laufen. Erst nach drei bis vier Jahren stellt sich heraus, ob der Bonus komplett gezahlt wird.

Auch nicht nur rein betriebswirtschaftliche Faktoren finden mehr und mehr Berücksichtigung bei der Entlohnung. Bei VW etwa zählen dazu Indizes für die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern. Wind aus der Debatte um die Bezüge nimmt auch die Offenlegung der einzelnen Vorstandsgehälter der Konzerne und die Erläuterungen der Kriterien für Boni. Und ein weiterer, in diesem Jahr neuer Schritt wird nach Ansicht von DSW-Sprecher Cabras zur Versachlichung beitragen. 28 von 30 Dax-Unternehmen wollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung über die Gehaltssysteme und die Gehälter der Top-Manager abstimmen lassen. „Das ist ein Quantensprung und wird enorme Wirkung zeigen, auch wenn es nur symbolische Bedeutung hat.“

Freilich könnte dann eine neue Diskussion über die immer weiter steigenden Fix-Gehälter aufkommen. Der Erfolg des Unternehmens spielt dabei keine Rolle mehr. Volkswagen-Chef Winterkorn etwa bekommt für 2009 rund 1,7 Millionen Euro fix, dazu Pensionsansprüche von 2,2 Millionen Euro. Bei RWE-Chef Jochen Großmann summiert sich das auf 4,7 Millionen Euro, bei Siemens-Chef Peter Löscher auf 3,1 Millionen Euro. Das sind deutlich mehr als 30 Prozent der Gesamtbezüge, die Experten als Obergrenze für die Fixgehälter betrachten.

Ein kritischer Punkt bleibt auch die Differenz der Vorstandsgehälter zu dem, was sonst im Unternehmen verdient wird. Im Schnitt 442 000 Euro erhielt ein direkt unter dem Vorstand angesiedelter Bereichsleiter 2008 in einem Dax-Konzern, ein Abteilungsleiter 199 000 Euro, fand die Unternehmensberatung Towers Watson heraus. Ein Vorstandschef kam 2008 im Schnitt auf 3,85 Millionen Euro im Jahr, also acht Mal mehr als der Bereichsleiter und gar 20 Mal mehr als der durchschnittliche Abteilungsleiter. Ganz zu schweigen von der Differenz zum normalen Mitarbeiter. Rolf Obertreis

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