Wirtschaft : Vorstandsgehälter sind krisenfest

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Jeder zweite Vorstand der führenden deutschen Industrieunternehmen hat 2001 trotz Börsenflaute und Ertragsminus seine Bezüge erhöht. Nach einer Auswertung der Geschäftsberichte kassierte jeder zweite Manager aus den Vorstandsriegen der 30 Dax-Unternehmen mehr Geld als im Vorjahr, obwohl nicht nur die Kurse vieler Unternehmen in die Knie gingen. Einzelne Führungskräfte genehmigten sich Zuschläge von mehr als 80 Prozent. Nur in gut jedem dritten Vorstand bekamen die leitenden Angestellten die Flaute auch im eigenen Portemonnaie zu spüren.

Gewinneinbrüche wirken später

Aktionärsvertreter kritisieren die wachsende Kluft zwischen Managementgehältern und Unternehmensentwicklung: "Man gewinnt den Eindruck, dass sich Vorstände von Publikumsgesellschaften das Unternehmen teilweise zur Beute machen", klagt Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Grund für die steigenden Einkommen sind meist Aktienoptionsprogramme (siehe Lexikon). Dennoch warnt Hubert Johannsmann, Chef der Personalberatung Interconsilium, vor zu schnellen Urteilen: Die erfolgsabhängigen Komponenten wirkten sich oft erst mit Verzögerung aus. So würden die Gewinneinbrüche vieler Unternehmen erst 2002 auf die Bezüge durchschlagen.

Im zurückliegenden Jahr sind die Gehälter vieler Spitzenmanager ungeachtet der schwachen Wirtschaftsentwicklung jedenfalls rasant gestiegen. Am deutlichsten ist diese Umverteilung bei der Deutschen Telekom zu beobachten. Während das Unternehmen tief in die roten Zahlen rutschte, schnellten die Vorstandsaufwendungen um 89 Prozent in die Höhe. Auch die Hypo-Vereinsbank verdoppelte - ungeachtet des sinkenden Gewinns vor Steuern - die Ausgaben für den Vorstand (bereinigt um Neuzugänge) um rund 45 Prozent. In anderen Banken griff man ebenfalls zu: Die Commerzbank erhöhte trotz Ergebnisrückgangs das Salär der Spitzenmanager um 30 Prozent.

Weniger für Schrempp und Plattner

Doch es gibt auch Manager, die zurücksteckten. Die Spitzenkräfte von Degussa, Infineon, SAP, Daimler-Chrysler und Lufthansa schnallten den Gürtel tatsächlich enger. Degussa, Spezialchemieanbieter aus Düsseldorf, kürzte in Folge eines Gewinnrückgangs die Vorstandsaufwendungen drastisch um 68 Prozent. Auch Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp und Kollegen spürten die Talfahrt: Die Überweisungen an die Chefetage fielen um mehr als die Hälfte niedriger aus als im Jahr zuvor. Auch der SAP-Vorstand gab sich mit einem Gehalt zufrieden, das weniger als halb so groß war wie zuvor. Chancen und Risiken variabler Gehaltsteile bekamen die Vorstände des Chipherstellers Infineon zu spüren. Die Aufwendungen für die Führungsriege schrumpften 2001 auf 1,2 Millionen Euro festes Gehalt - inklusive Aktienoptionen 9,9 Millionen Euro. Im Jahr des Börsengangs waren es 28,3 Millionen Euro. Unter dem Strich gingen die Gehälter der Führungskräfte im Dax 30 deswegen erstmals seit Jahren zurück. Im Schnitt verdienten die Manager - rein rechnerisch - 1,58 Millionen Euro pro Kopf, zehn Prozent weniger als im Jahr 2000.

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