Wirtschaft : Vorstandswechsel soll RAG-Umbau nicht stoppen Spekulationen um Nachfolger von Karl Starzacher

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Essen (mjh/juf/HB/dpa). Der RAGKonzern will trotz des überraschenden Rücktritts des Vorstandschefs Karl Starzacher seine Neuausrichtung fortsetzen. Ein Nachfolger für Starzacher, der am Dienstag seinen Rückzug aus dem Unternehmen angekündigt hatte, soll bis Ostern gefunden sein. Das verlautete am Mittwoch aus Kreisen der einstigen Ruhrkohle AG. Die Arbeitnehmerseite im paritätisch besetzten Aufsichtsrat werde bis dahin einen Kandidaten benannt haben.

Als Favorit der Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat gilt unverändert Utz-Hellmuth Felcht. Er ist Vorstandsvorsitzender des Spezialchemiekonzerns Degussa AG, der gerade durch einen groß angelegten Beteiligungstausch unter das RAG-Dach gekommen ist. Die Anteilseignerseite besteht im wesentlichen aus den drei Ruhrkonzernen Eon, RWE und Thyssen-Krupp – sie halten zusammen neun Zehntel des Kapitals. Doch sie wird mit ihrem Vorschlag im montanmitbestimmten RAG-Konzern auf heftigen Widerstand der Gewerkschaft IGBCE treffen. „Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Felcht die Starzacher-Nachfolge antreten wird“, sagte ein Gewerkschafter dem Handelsblatt.

Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet, die Arbeitnehmerseite wolle den früheren Bundeswirtschaftsminister Werner Müller zum Starzacher-Nachfolger küren. Er habe sich durch seinen Einsatz für die Kohlebeihilfen empfohlen. IGBCE-Vizechef Klaus Südhofer und Fritz Kollorz, Mitglied des Geschäftsführenden Hauptvorstands der Gewerkschaft, sind im RAG-Aufsichtsrat Stellvertreter des Vorsitzenden, Eon-Chef Ulrich Hartmann.

Die Nachricht vom Rücktritt Starzachers kam unerwartet. Der 58-jährige Jurist und ehemalige hessische Finanzminister hat knapp eineinhalb Jahre vor dem Auslaufen seines Vertrages das Handtuch geworfen. Er geht zu einem Zeitpunkt, zu dem die RAG den größten Umbau ihrer Geschichte beginnt. Aus dem Bergbaukonzern wird mit der Übernahme der Degussa vor allem ein Chemiekonzern. Auf den Säulen Chemie, Bergbau und Immobilien soll das Unternehmen mit künftig mehr als 100 000 Beschäftigten stehen. Von 20 Milliarden Euro Umsatz entfallen dann allein 12 Milliarden Euro auf Degussa. Bis Ende 2004 will sich der Konzern von Geschäftszweigen mit einem Umsatzvolumen von mehr als sechs Milliarden Euro und fast 18 000 Mitarbeitern trennen.

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