Wirtschaft : Vorübergehende Dollar-Schwäche

Devisenbrief, 2.4.1997Mit der Entscheidung, den Zielsatz fürTagesgeld um einen Viertelprozentpunkt anzuheben, hat das Fednicht nur eine - in diesem Ausmaß kaum erwartete - Korrekturam amerikanischen Bond- und Aktienmarkt, sondern auch einen Schwächeanfalldes US-Dollar ausgelöst.
Diese Entwicklung ist insofern nichtleicht zu interpretieren, als die aktuelle Rentenmarktschwächeletztlich eine globale Erscheinung darstellt, wobei der Renditenanstieg- und der damit verbundene Kursverlust - in der Bundesrepublikkaum geringer ist als in den USA.Wenn der Dollar gegenüberder D-Mark dennoch eine Schwächetendenz aufweist, so liegtdies offenbar an den Ursachen für den Renditenanstieg: Inden USA ist es eindeutig die Angst vor einer möglichen Lohn-Preis-Spirale.In Deutschland dagegen ist der Renditenanstieg weitgehend einReflex auf die Entwicklung am amerikanischen Bondmarkt, die iminternationalen Zusammenhang erfahrungsgemäß eine starkeSogwirkung auf die übrigen Kapitalmärkte ausübt.Während der Renditeanstieg in den USA ein Symptom füreine wachsende Inflationsgefahr ist, dämpft er in der Bundesrepublikden ohnehin schon geringen Preisauftrieb noch zusätzlich.
Zweifellos bildet das sich auf dieseWeise abzeichnende Stabilitätsgefälle eine Belastungfür den Dollar, die angesichts anhaltend guter US-Konjunkturindikatoren- zuletzt übertrafen sowohl die Leading Indicators, aberinsbesondere der weitaus wichtigere NAPM-Index die Markterwartungenüberaus deutlich - solange andauern dürfte, bis sichdie US-Notenbank zu einem noch deutlicheren Restriktionskurs entschließt.
Darüber hinaus bleibt abzuwarten,ob der US-Dollar vom Beginn des neuen Fiskaljahres in Japan unddem damit verbunden üblicherweise wieder verstärktenAuslandsengagement japanischer Investoren wird profitieren können.Einerseits scheint die Gefahr einer Leitzinsanhebung in Japannach der Veröffentlichung des jüngsten Tankan-Reports,dem wichtigsten japanischen Geschäftsklimaindex, gebannt.Zwar liegt der Tankan-Report mit einem Wert von zwei erstmalsseit dem November 1991 wieder im positiven Bereich und bestätigtdamit den Eindruck eines langsamen Konjunkturaufschwungs, dochhat sich das Geschäftsklima außerhalb des VerarbeitendenGewerbes so deutlich verschlechtert, daß die japanischeNotenbank ihre lockere Geldpolitik bis auf weiteres fortsetzenund damit den US-Dollar stützen wird.Allerdings könnteder Handelskonflikt zwischen den USA und Japan vor dem Hintergrunddes zunehmenden US-Handelsbilanzdefizits wieder an Schärfegewinnen und damit für Irritationen an den Devisenmärktensorgen, die den Dollar belasten würden.
Alles in allem erwarten wir daher vorersteine anhaltende latente Dollar-Schwäche.

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