Vorwürfe : Exportnation Deutschland wehrt sich

Deutsche Wirtschaftsverbände, Politiker und Wissenschaftler haben die französische Kritik am hiesigen Wirtschaftsmodell scharf zurückgewiesen. Wirtschaftsminister Brüderle kontert mit einer Außenwirtschaftsoffensive.

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Tor zur Welt. Maschinen, Autos und Chemie sind deutsche Exportschlager. -Foto: dpa

Berlin „Der Vorwurf, die deutschen Exportüberschüsse schaden der Wirtschaft anderer europäischer Länder, ist absurd. Es kann doch nicht sein, dass Deutschland künftig weniger erfolgreich in der Exportwirtschaft ist und damit auch weniger zur Weltwirtschaft beiträgt. Das ist eine verrückte Idee“, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel, dem „Handelsblatt“.

Ähnlich sieht es der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI). „Unterm Strich bringt die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie für unsere Nachbarn in Europa mehr Vorteile als Nachteile. Wir sind die Lokomotive des Wachstums in ganz Europa“, sagte BDI- Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wehrte sich gegen die Kritik. Es könne nicht sein, dass in der EU den Ländern, „die einigermaßen erfolgreich in der Wettbewerbsfähigkeit sind, nun Schuld an den Problemen anderer“ gegeben werde.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde wirft Deutschland vor, mit niedrigen Löhnen und hohen Exportüberschüssen Wachstum auf Kosten der anderen Europäer zu erzielen. Sie fordert von Berlin, den Binnenmarkt zu stärken, die Handelsüberschüsse abzubauen und so das Ungleichgewicht in der Eurozone zu beseitigen. EU-Währungskommissar Olli Rehn unterstützt diese Position.

In der Tat war die Entwicklung der Lohnstückkosten hierzulande über Jahre hinweg signifikant niedriger als im Schnitt der Eurozone. Auch bei der Entwicklung der Reallöhne pro Arbeitnehmer liegt Deutschland seit Jahren am Ende der EU-Skala.

Für Kai Carstensen vom Münchner Ifo-Institut hat die Zurückhaltung bei den Löhnen aber vor allem mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu tun. „Der Euroraum ist keine Insel der Seligen“, sagte Carstensen. Wenn die Lohnkosten in Deutschland zu hoch wären, dann würde woanders produziert, zum Beispiel in Asien. Es mache daher „überhaupt keinen Sinn, die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu opfern, um die Euroländer einander anzugleichen“.

Auch Roland Döhrn vom Rheinisch- Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen wies die Kritik an den niedrigen Löhnen zurück. „Die Betrachtung blendet den Einfluss einer steigenden Beschäftigung von Geringqualifizierten völlig aus.“

Wegen der Weltwirtschaftskrise sind die deutschen Exporte im vergangenen Jahr eingebrochen. Das Statistische Bundesamt teilte am Dienstag mit, dass die Ausfuhren 2009 gegenüber dem Vorjahr um 17,9 Prozent auf 808,2 Milliarden Euro sanken. Das Minus fiel jedoch etwas geringer aus als prognostiziert.

Ungerührt der Kritik kündigte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) deshalb eine Außenwirtschaftsoffensive an. Es gelte, die Erschließung weiterer Märkte für deutsche Güter und Dienstleistungen sowie den Zugang zu wichtigen Rohstoffquellen zu sichern, sagte Brüderle am Dienstag. (HB/zie)

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