Vorwürfe nach einem Suizid : Josef Ackermann tritt zurück

Josef Ackermann tritt als Präsident des Verwaltungsrats der Zurich-Versicherung zurück, nachdem die Witwe des Finanzvorstands Vorwürfe erhebt.

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Josef Ackermann
Josef Ackermann tritt zurück.Foto: dpa

Eine mögliche Mitschuld am Tod eines Mitarbeiters – das war zu viel für Josef Ackermann. Am Montag legte der frühere Chef der Deutschen Bank sein Amt als Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group nieder. Und zwar nicht aus persönlichen Gründen und einvernehmlich, wie es gemeinhin heißt bei solchen Abgängen.

In einer von der Versicherung verbreiteten Stellungnahme ließ sich Ackermann mit Worten zitieren, die keinen Zweifel lassen an seiner Motivation. Nach dem mutmaßlichen Suizid des Finanzvorstands Pierre Wauthier Anfang dieser Woche bringt die Familie offenbar die Arbeitsumstände Wauthiers und ganz konkret Ackermann mit dem Tod in Verbindung. „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag“, sagte Ackermann am Donnerstag. Deshalb sehe er „eine weitere erfolgreiche Führung des Verwaltungsrates zum Wohle der Zurich in Frage gestellt“ und trete von allen Funktionen im Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung zurück.

Josef Ackermann Tritt nach Suizid eines Managers zurück

Im Umfeld Ackermann hieß es, der Tod des 53-jährigen Managers belaste ihn sehr. Sicherlich habe es an der Spitze der größten Schweizer Versicherung auch Druck gegeben, doch Ackermann habe in seiner Funktion als Verwaltungsratspräsident eher Kontakt gehabt zum Vorstandschef Martin Senn und weniger zu Wauthier. Und dennoch soll es, so berichteten Schweizer Medien, eine Klage der Witwe Wauthiers bei Senn auch über Ackermann und dessen Führungsstil gegeben haben.

Eine besondere Stresssituation, so ist in Ackermanns Umfeld zu hören, habe es nicht gegeben, da die Versicherung ganz gut aufgestellt sei. Zwar fiel im zweiten Halbjahr der Betriebsgewinn um 18 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro. Aber dafür gibt es gute Erklärungen. „Wir haben diese Ergebnisse in einem Zeitraum erzielt, der von Naturkatastrophen und großen, wetterbedingten Schäden gekennzeichnet war, darunter schwere Überschwemmungen in Ost- und Mitteleuropa, Tornados in Oklahoma sowie eine ungewöhnlich große Zahl mittelgroßer wetterbedingter Schadensereignisse in Kanada, den USA und Europa“, hatte der Konzern vor zwei Wochen anlässlich der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen mitgeteilt. Der enge zeitliche Zusammenhang zwischen der Bekanntgabe der Zahlen und dem Suizid Wauthiers ist jedoch auffällig. Zumal der Ausblick von Konzernchef Senn nicht gerade positiv war: „Das wirtschaftliche Umfeld bleibt angesichts niedriger Zinssätze schwierig und setzt unsere Kapitalerträge unter Druck.“ Und dennoch: Der Zurich-Konzern gehört zu den fünf größten Versicherungen weltweit und ist alles andere als ein Sanierungsfall.

Seit einem Jahr war Josef Ackermann Verwaltungsratspräsident der Zurich-Gruppe

Der Franzose Wauthier, der auch einen britischen Pass besaß, gehörte dem Unternehmen seit 1996 an, 2011 wurde er zum Finanzvorstand bestellt. Am vergangenen Montag hatte Zurich mitgeteilt, Wauthier sei leblos an seinem Wohnort aufgefunden worden. Nach den bisherigen gerichtsmedizinischen Untersuchungen schließt die Schweizer Polizei ein so genanntes Drittverschulden aus und vermutet Suizid.

Ackermann war seit März 2012 Verwaltungsratspräsident bei der Zurich- Gruppe, angetreten hatte er das Amt nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank zwei Monate später. Wie bei angelsächsischen Unternehmen ist der Verwaltungsrat in der Schweiz mächtiger als etwa ein deutscher Aufsichtsrat. Zwar lenkt der Vorstandsvorsitzende die täglichen Geschäfte, doch der Chef des Verwaltungsrats hat großen Einfluss auf die Strategie. Nach dem Rücktritt in Zürich hat der 65-jährige Ackermann noch eine Vielzahl von ehren- und hauptamtlichen Mandaten, unter anderem sitzt er im Aufsichtsrat von Siemens und Shell.

Der Abgang schlug sich auf die Kurse der Zurich Insurance Group nieder

Die Deutsche Bank hat er keineswegs in allerbester Verfassung an seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergeben. Der Konzern schlägt sich mit einem Berg von Altlasten herum: Prüfungen zu Zinsmanipulationen (Libor), Ermittlungen zu Umsatzsteuerbetrug beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten, Milliardenklagen wegen US-Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise und der Dauer-Clinch um die Kirch-Pleite. Kaum hatten Jain und Fitschen im Juni 2012 das Ruder übernommen, verordneten sie der Deutschen Bank einen „Kulturwandel“. Ihr Anspruch: Ethik statt Erträge um jeden Preis. Ackermann dagegen hatte zu seiner Zeit mit der Forderung einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent ein überaus ambitioniertes Ziel vorgegeben.

An der Züricher Börse verlor die Aktie der Zurich Insurance Group am Donnerstagnachmittag rund drei Prozent. Händler verwiesen zur Begründung auf Unwägbarkeiten nach dem Ackermann-Abgang. Der Konzern teilte mit, Ackermanns Entscheidung sei „mit größtem Bedauern angenommen worden“. Der stellvertretende Verwaltungsratspräsident Tom de Swann werde die Funktion des amtierenden Verwaltungsratspräsidenten übernehmen. (mit dpa/vis)

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