Wirtschaft : Vorwurf des modifizierten Schneeballsystems sei absurd

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Die Göttinger Gruppe wehrt sich gegen die Vorwürfe, ein "modifiziertes Schnellballsystem" zu betreiben und die Gelder ihrer Anleger in Gefahr zu bringen. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig hat nach längerem Drängen des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen Ermittlungen gegen den Finanzdienstleister aufgenommen. Der Präsident des Bundesaufsichtsamtes, Wolfgang Artopoeus, vermutet Untreue, Betrug sowie Kapitalanlagebetrug. Im Kern geht es darum, ob die Gelder, die die Göttinger Gruppe über die Konzern-Tochter Securenta AG einsammelt, sicher und rentabel angelegt werden. Die Securenta vertreibt das Vorsorge-Produkt SecuRente, das sich auf Unternehmensbeteiligungen stützt. Die Anleger zeichnen so genannte atypische stille Beteiligungen.

Ein Sprecher der Göttinger Gruppe bezifferte am Montag die Summe der eingezahlten Kundengelder mit rund 1,2 Milliarden Mark. Gezahlt hätten bisher rund 200.000 Vertragspartner. Der Sprecher verweist auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Haarmann, Hemmelrath & Partner GmbH in München, die zum Stichtag 31. Dezember 1998 zu dem Ergebnis kam, dass die Einlagen der Kapitalanleger zu rund 88 Prozent durch bewertete Investitionen in Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Wertpapiere und Geldmarktanlagen sowie durch sonstige Vermögenswerte gedeckt seien. Dem Gesamt-Nettoeinlagenbestand (Einlagen zuzüglich der noch ausstehenden Einlagen auf die Zeichnungssummen) der Kapitalanleger in Höhe von rund 4,1 Milliarden Mark stünden Nettoinvestitionen des Konzerns der Göttinger Gruppe (einschließlich stiller Reserven) in Höhe von rund 3,6 Milliarden Mark gegenüber, schreiben die Wirtschaftsprüfer in ihrem Bericht.

Artopoeus hält dem entgegen, nichts spreche dafür, dass künftig noch mit den in den Prospekten der Securenta veranschlagten Erfolgen aus der Investitionstätigkeit zu rechnen sei. Der Prüfverband deutscher Banken kam in einer eigenen Untersuchung unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Investitionsgrundsätze im Beteiligungsbereich höchst wagnisreich seien. Die Göttinger Gruppe ihrerseits hatte dem Bundesaufsichtsamt bereits Ende April ein "höchst befremdliches Agieren" vorgeworfen.

Der Konzern ist der Hauptsponsor der Fußballmannschaft Tennis Borussia Berlin. Der Gruppe gehört auch die Immobilie, in der sich die Geschäftsstelle von TB befindet.

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