Wirtschaft : Vulkan-Prozess: Alles wieder offen

Im Prozess gegen die Ex-Manager des Bremer Vulkan-Konzerns ist wieder alles offen. Die Große Strafkammer des Bremer Landgerichts entschied am Montag, erneut in die Beweisaufnahme einzutreten. Ursprünglich sollte bereits das Urteil verkündet werden. Vor einem Spruch wollen die Richter aber nun noch zwei Zeugen vernehmen. In dem Verfahren, das schon länger als ein Jahr dauert, müssen sich der ehemalige Chef des Vulkan-Verbundes, Friedrich Hennemann, sowie zwei weitere Manager wegen Untreue verantworten. Das Trio soll 853 Millionen Mark öffentliche Beihilfen in das so genannte Cash Management der Vulkan-Holding verschoben haben. Das Geld war mit dem Konkurs des Unternehmens verloren gegangen. Eigentlich waren die Summen für die Sanierung der Meerestechnik-Werft in Wismar und für die Volkswerft in Stralsund gedacht.

Die beiden Sachverständigen sollen nun Aufschluss darüber geben, ob die Vulkan-Spitze die drohende Pleite im Jahr 1996 absehen konnte. Dann nämlich hätten die Manager die Beihilfen für die Ostwerften auf keinen Fall in der Kasse des Mutter-Konzerns parken dürfen. In diesem Fall wäre auch der für eine Verurteilung nötige Vorsatz gegeben. Dass ansonsten das Verschieben von Geldern zwischen Firmenteilen zum unternehmerischen Alltag gehört, hatten fast alle Gutachter in dem Prozess bestätigt. Die zwei erneut geladenen Zeugen sind Insider: Sie selbst hatten Anfang der 90er Jahre Jahresabschlüsse für den Bremer Vulkan attestiert. Staatsanwalt Burkhard Quick fühlte sich erneut in seiner Auffassung bestätigt, dass mit dem Verkauf der Ostwerften auch umfangreiche Pflichten einher gegangen sind - vor allem, was die Betreuung des Vermögens der Treuhand-Objekte anging.

Für den Ankläger war mit der Entscheidung vom Montag klar, dass die Richter über eine Verurteilung nachdenken. Nur für diesen Fall hatte die Verteidigung die Ladung der Zeugen gefordert. "Für einen Freispruch wären die Zeugen nicht nötig", sagte Quick. Auch Prozessbeobachter vermuten jetzt, dass die drei Angeklagten nicht mehr mit einem erstklassigen Freispruch davonkommen. Der Staatsanwalt hatte wegen Untreue zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahre Haft gefordert.

Mit der neuerlichen Beweisaufnahme wird ein Urteil nun nicht mehr vor November erwartet. Die Verteidigung könnte aber auch auf die Idee kommen, noch weitere Karten auszuspielen. "Dann sitzen wir hier nächstes Jahr noch zusammen", sagte Hennemanns Verteidiger Hanns Feigen.

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