Vulkanausbruch : Staub im Getriebe

Von Autoindustrie bis Blumenhandel: Der Vulkan schadet Deutschlands Wirtschaft stündlich mehr. Die Aktien von Lufthansa und Air Berlin verloren deutlich.

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Lahmgelegt. Unter dem Flugverbot leiden die unterschiedlichsten Branchen – mit jedem Tag mehr.
Lahmgelegt. Unter dem Flugverbot leiden die unterschiedlichsten Branchen – mit jedem Tag mehr.Foto: ddp

Berlin - Dass der Vulkanausbruch den Fluggesellschaften und Touristikunternehmen unmittelbar schadet, ist naheliegend: Lufthansa dürften wegen der Luftraumsperrungen jeden Tag 15 bis 20 Millionen Euro Umsätze verloren gehen, schätzen Experten. Und der Reiseveranstalter Tui teilte am Montag mit, dass ihn das Ereignis täglich bis zu sechs Millionen Pfund (6,8 Millionen Euro) kostet. Spätestens am Montag wurde aber auch klar, dass weitere Teile der Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden.

„Wir haben den Eindruck, dass die Zeit vorbei ist, den Vulkanausbruch und seine Auswirkungen als abenteuerliches Naturereignis zu betrachten. Das Ereignis beginnt, einen negativen Einfluss auf die gesamte Volkswirtschaft zu haben“, sagte Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) bei der Eröffnung der Hannover Messe. Über den Luftverkehr gingen 40 Prozent des Wertes der deutschen Exporte in die ganze Welt. Mindestens 850 000 Arbeitsplätze seien direkt vom Luftverkehr abhängig.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) traf sich am Nachmittag mit führen Wirtschaftsvertretern, um über die Lage zu beraten. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) schaltete sich derweil mit seinen Amtskollegen in den EU-Staaten zu einer Telefonkonferenz zusammen, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten. Eine der größten Sorgen der deutschen Wirtschaft ist, dass sich durch den unterschiedlichen Umgang mit Flugverboten auch Wettbewerbsnachteile ergeben.

In Deutschland machten sich am Montag in ganz unterschiedlichen Branchen Ausfälle bemerkbar. So teilte der Autohersteller BMW mit, dass er wichtige Komponenten wie Getriebe derzeit nicht in die USA transportieren kann. Zwar laufe die Produktion in allen Werken noch regulär weiter, wenn der Flugstopp aber noch zwei Tage weitergehe, könne es kritisch werden. „Im schlimmsten Fall droht ein Bandstillstand“, sagte ein Sprecher. Parallel wächst bei den Maschinenbauern die Sorge, dass man Kunden im Ausland nicht mit mehr dringend benötigten Teilen versorgen könne. Engpässe sind nicht auszuschließen, hieß es beim Branchenverband VDMA.

Auch die Importwirtschaft ist betroffen. Ein Metro-Sprecher sagte, dass Engpässe im Basissortiment ausgeschlossen seien, da man fast 90 Prozent der Güter aus dem EU-Binnenmarkt beziehe. Bei den Spezialitäten allerdings könne es knapp werden. So würde zum Beispiel Hummer überwiegend aus den USA und Kanada bezogen und Pangasius-Filet aus Asien. Schnittblumen dürften in den kommenden Tagen sogar teurer werden, da die Nachfrage derzeit ausschließlich mit heimischen Blumen gedeckt wird. Rosen zum Beispiel stammen aber fast ausschließlich aus Kenia, Äthiopien, Ecuador und Kolumbien. Omniflora, der größte Importeur von Fair-Trade-Blumen, der ausschließlich aus Afrika importiert, teilte mit, dass die Frachtkosten fast um die Hälfte steigen dürften, da die Ladungen, die es bis nach Spanien per Flieger schaffen, nun per Lkw nach Deutschland gebracht werden müssten. Die deutsche Floristikbranche gehört zwar nicht zu den großen, setzt aber immerhin rund drei Milliarden Euro pro im Jahr um.

Die Märkte reagierten nervös auf die Ausfälle: Das Lufthansa-Papier rutschte zeitweise um bis zu 5,9 Prozent ab, Air-Berlin-Aktien verloren bis zu 8,5 Prozent. Auch die Titel von Air France KLM brachen zum Handelsstart um mehr als neun Prozent ein. Im Tagesverlauf erholten sich die Aktien wieder etwas, blieben aber allesamt tief in der Verlustzone. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS bezifferten den Umsatzverlust bei den von ihnen beobachteten Fluggesellschaften im Zuge der Flugverbote auf 120 bis 140 Millionen Euro täglich. Billigfluggesellschaften dürften nach Meinung der Experten insgesamt aber weniger stark von den Ereignissen betroffen sein.

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