Wirtschaft : VW-Absatz kommt nicht in Schwung

Im bisherigen Jahresverlauf leichter Zuwachs /Koreaner verkaufen ein Viertel mehr in Westeuropa

Alfons Frese

Berlin - Volkswagen wird in diesem Jahr vermutlich ebenso viele Autos absetzen wie 2003. Finanzchef Hans-Dieter Pötsch zufolge verkaufte der Konzern bis November weltweit 4,61 Millionen Fahrzeuge, das waren 1,6 Prozent mehr als in den ersten elf Monaten 2003; im kompletten Jahr 2003 hatte VW 5,02 Millionen Autos abgesetzt. Zu Umsatz und Ergebnis machte Pötsch keine präzisen Angaben, bestätigte aber die Erwartung eines operativen Gewinns vor Sondereinflüssen von 1,9 Milliarden Euro. Das wären 600 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Für die ersten neun Monate hatte der Konzern für die Markengruppe VW – zu der die Marken VW, Skoda, Bentley und Bugatti gehören – einen Verlust von 47 Millionen Euro gemeldet. Ein Problem ist der schleppende Absatz des neuen Golf. Statt wie erwartet 600000 Exemplare in diesem Jahr werde VW nur 530000 verkaufen, sagte ein Sprecher.

Dagegen verdiente die Markengruppe Audi – neben Audi zählen dazu Seat und Lamborghini – 877 Millionen Euro und der Bereich Finanzdienstleistungen 768 Millionen Euro. Im letzten Jahr hatten die VW Financial Services einen Anteil am Konzerngewinn von 60 Prozent; das zeigt die schwache Profitabilität im Kerngeschäft Autoverkauf.

Volkswagen leidet unter dem teuren Euro und den hohen Rabatten in den USA. Allein dort wird in diesem Jahr ein Verlust von einer Milliarde Euro befürchtet. Von Januar bis November sank in Nordamerika der Verkauf um gut zehn Prozent auf 515000 Fahrzeuge. Dabei rutschte die Marke VW besonders stark ab, während sich Audi besser hielt. Das gilt indes nicht für den Gesamtabsatz: Die Markengruppe VW steigerte seit Jahresbeginn ihren Absatz, während es in der Audi-Gruppe einen leichten Rückgang gab. So verkaufte die spanische Seat in Westeuropa in den ersten elf Monaten 1,7 Prozent weniger, während die tschechische Skoda um 1,9 Prozent zulegten.

Besonders erfolgreich waren bislang die koreanischen Hersteller (Hyundai, Kia und Daewoo), die mit mehr als 542000 Autos ein Viertel mehr verkauften als in den ersten elf Monaten 2003. Auffallend positiv schnitten ferner die BMW Group (plus 10,4 Prozent auf 638000) und Smart (plus 18,3 Prozent auf 123000) ab. Bemerkenswert ist der Rückgang der Neuwagenverkäufe in den neuen mittel- und osteuropäischen EU-Staaten um fünf Prozent. Nach Einschätzung des Verbandes der Autoindustrie (VDA) hängt das mit der Masse an Gebrauchtwagen zusammen, die seit dem EU-Beitritt Anfang Mai dorthin geliefert wurden. Beispielsweise sei allein in Polen im November der Neuwagenverkauf um 37 Prozent eingebrochen.

Um die sprunghaft gestiegenen Importe insbesondere älterer Gebrauchtwagen zu reduzieren, plant die polnische Regierung nach VDA-Angaben im kommenden Jahr die Einführung einer emissionsbezogenen Steuer auf Importautos. Damit würde der Unterhalt der alten „Dreckschleudern“ verteuert. Unverändert erfolgreich ist derweil der Dieselmotor in Westeuropa. Fast jeder zweite Neuwagen wird inzwischen von einem Selbstzünder angetrieben. In Ländern wie Luxemburg und Österreich beträgt der Dieselanteil an den Neuzulassungen sogar mehr als 70 Prozent.

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