VW-Affäre : Hartz gibt "Kauf" von Volkert zu

In der VW-Affäre hat der frühere Arbeitsdirektor Peter Hartz vor Gericht bekräftigt, den früheren Betriebsratschef Klaus Volkert bestochen zu haben.

Braunschweig - Es hätten wichtige Entscheidungen angestanden, die nur mit der Zustimmung des Betriebsrats zu treffen gewesen seien, ließ Hartz am zweiten Verhandlungstag des Prozesses vor dem Landgericht Braunschweig seinen Anwalt Egon Müller zur Begründung sagen. Volkert habe "Hunderttausende" hinter sich bringen können. "Ein Mann wie Volkert verfügte über ein Charisma, das hat er erkannt und das hat er eingekauft", sagte Müller mit Blick auf Hartz. Hartz habe seinen "Co-Partner" im Boot halten wollen.

Die Verhandlung wurde am Vormittag für Beratungen des Gerichts unterbrochen. In dem Prozess wird bereits an diesem Donnerstag mit einem Urteil gerechnet. Hartz bleibt aller Voraussicht nach ein Gang ins Gefängnis erspart. Das Gericht hatte dem 65-Jährigen eine höchstens zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen in Aussicht gestellt, wenn er ein glaubhaftes Geständnis ablegt. Hartz wird Untreue in 44 Fällen und Begünstigung eines Betriebsrats vorgeworfen.

Zu Prozessbeginn vor einer Woche hatte der frühere Arbeitsmarktreformer Hartz bereits gestanden, Volkert Sonderzahlungen in Millionenhöhe zugeschanzt zu haben. Müller sagte erneut, Hartz übernehme dafür die strafrechtliche Verantwortung. Er habe Missbrauch und strafbares Verhalten in Kauf genommen und Kontrollen abgeschafft. Hartz habe aber von seinem Vorgänger kein "System" übernommen und trage daher selbst die Verantwortung. Der damalige Vorstandschef und heutige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch habe von den Sonderbonuszahlungen nichts gewusst. Sie seien alleine die Idee von Hartz gewesen. Die Sonderboni seien nicht in den Personalakten Volkerts aufgetaucht.

"Lopez-Krieger"

Der angespannt wirkende Angeklagte ließ seinen Anwalt aussagen, die Sonderboni an Volkert seien seine Idee gewesen. Volkert habe eine Gehaltserhöhung gefordert, weil er sich im Vergleich zu Mitarbeitern des damaligen VW-Einkaufschefs und "Kostenkillers" Jose Ignacio Lopez deutlich unterbezahlt fühlte. Anwalt Müller sprach von "Lopez-Kriegern".

Vor Beginn des zweiten Verhandlungstages beschimpften einige wenige Demonstranten Hartz vor dem Gerichtsgebäude als "Verräter" und schrien: "Ab in den Bau". Beim Beginn des Prozesses vor einer Woche waren allerdings deutlich mehr Demonstranten versammelt.

Hartz war im Juli 2005 im Zuge der Affäre um Korruption, Lustreisen und Sexpartys auf Firmenkosten zurückgetreten. Sein Prozess ist erst der Beginn der juristischen Aufarbeitung des Skandals, der den Wolfsburger Autobauer zutiefst erschüttert hatte. Weitere Prozesse sind zu erwarten. (tso/dpa)

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