Wirtschaft : VW-Affäre zieht weitere Kreise Staatsanwaltschaft dehnt Ermittlungen aus

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Berlin In der Sex-and-Crime-Affäre bei Volkswagen gibt es weitere Beschuldigte. Sowohl in sachlicher als auch in personeller Hinsicht seien die Ermittlungen ausgedehnt worden, hieß es am Mittwoch bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig. Gegen wie viele und welche Personen nun auch noch ermittelt wird, teilte die Behörde nicht mit. Eckehard Nistroj, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, sagte auf Anfrage, noch immer gingen Hinweise bei den Ermittlern ein. Derzeit seien ein Oberstaatsanwalt, eine Staatsanwältin und acht Fahnder einer Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes mit dem Fall befasst. Bislang richteten sich die Ermittlungen gegen zwei Personalmanager des VW-Konzern, Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer. Ihnen wird Betrug und Untreue vorgeworfen. Schuster war zuletzt Personalchef bei der tschechischen VW-Tochter Skoda und Gebauer in der Wolfsburger Zentrale zuständig für die Beziehungen zum Betriebsrat.

Im Verlauf der Affäre waren im Juli erst VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert und dann auch noch Personalvorstand Peter Hartz zurückgetreten. Volkert war an einer Firma beteiligt, die von Schuster und anderen gegründet worden war, um in Prag Geschäfte mit Skoda zu machen. Hartz musste gehen, als Bilder von einer Prostituierten aus Lissabon auftauchten, mit der er sich mehrmals getroffen haben soll. Ob die Dienste der Dame von Hartz oder von VW bezahlt wurden, ist bislang nicht bekannt. Dagegen ist aber offenbar unstrittig, dass der Konzern den eigenen Betriebsräten Luxusreisen spendierte und wohl auch Prostituierte auf Unternehmenskosten für die Arbeitnehmervertreter anheuerte. Für die Betreuung der Betriebsräte war Gebauer zuständig.

Die Ausweitung der Ermittlungen hängt mit diesem Thema zusammen. VW hat Strafantrag gegen unbekannt gestellt, weil es den Verdacht gibt, dass Betriebsräte bestochen wurden. Die Staatsanwälte ermitteln also nun gegen VW-Mitarbeiter, die Betriebsräte geschmiert haben könnten. Offenbar ist das Gebauer nicht allein. Bislang liegt gegen die weiteren Beschuldigten nur ein Anfangsverdacht vor; die Betroffenen wissen noch nichts von den Ermittlungen gegen sie, weshalb die Staatsanwaltschaft auch nicht die Namen mitteilt.

Die Aufklärung der Affäre um Korruption und Tarnfirmen braucht mehr Zeit als ursprünglich veranschlagt. „Jeden Tag gehen noch viele Hinweise von allen möglichen Seiten ein“, sagte Nistroj. Falls erforderlich, werde das Ermittlungspersonal der Braunschweiger Staatsanwaltschaft aufgestockt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die im Auftrag von Volkswagen die Affäre untersucht und eng mit den Strafverfolgern zusammenarbeitet, wollte eigentlich bereits vor drei Wochen dem Prüfungsausschuss des VW-Aufsichtsrats einen Zwischenbericht über die Machenschaften vorlegen. Das wurde wegen der „schwierigen Datenlage“ verschoben. Der gesamte Aufsichtsrat mit Ferdinand Piëch an der Spitze soll nun in der kommenden Sitzung im September informiert werden. alf

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