• VW-Anteil kostet Porsche 3,5 Milliarden Vorstandschef Wiedeking: Beteiligung für unsere Existenz wichtig / Probleme mit Cayenne

Wirtschaft : VW-Anteil kostet Porsche 3,5 Milliarden Vorstandschef Wiedeking: Beteiligung für unsere Existenz wichtig / Probleme mit Cayenne

Alfons Frese

Berlin - Porsche zahlt für die Beteiligung an VW rund 3,5 Milliarden Euro. Mittelfristig soll das Investment dann dem Sportwagenhersteller einen jährlichen Nutzen in dreistelliger Millionenhöhe bringen. „Die Synergien, die wir aus der Partnerschaft mit VW erwarten, werden uns auf längere Sicht entscheidend voranbringen“, sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf der Bilanzpressekonferenz. Nach dem elften Rekordjahr in Folge hieß es am Mittwoch in Stuttgart, werde die Luft nun dünner. Auch deshalb, weil für die Entwicklung der vierten Baureihe, ein viertüriges Coupé unter dem Namen Panamera, eine Milliarde Euro veranschlagt werden.

Ursprünglich wollte Porsche das Auto allein entwickeln. In der Zwischenzeit kaufte das Unternehmen aber für drei Milliarden Euro 18,5 Prozent an VW und will den Anteil sogar um weitere 3,4 Prozent erhöhen. Nun gilt als wahrscheinlich, dass VW in das Panamera-Projekt einbezogen wird. So könnten Teile des Autos in VW-Fabriken in Wolfsburg, Mosel oder Dresden hergestellt werden. Die Geländewagen Touareg (VW) und Cayenne (Porsche) hatten die Unternehmen bereits gemeinsam entwickelt.

Wiedeking erklärte die Beteiligung an VW als überlebenswichtige Maßnahme für Porsche. „Ohne Beteiligung wäre das Risiko für uns existenziell gewesen“, sagte der Porsche-Chef. Denn ohne den Porsche-Einstieg sei VW ein Übernahmekandidat für andere gewesen, was wiederum für Porsche den Kooperationspartner VW gefährdet hätte. Für das laufende Geschäftsjahr, das bei Porsche im August beginnt, erwartet das Unternehmen „abermals ein Wachstum“. In den ersten vier Monaten stieg der Umsatz um 6,7 Prozent und der Absatz um 8,5 Prozent. Zum Ergebnis äußerte sich Porsche nicht. Gut gefragt waren die Baureihe 911 sowie der Boxster einschließlich des neuen Modells Cayman. Dagegen fiel der Geländewagen Cayenne um 16,7 Prozent auf 11 000 Einheiten zurück.

Im Jahr 2004 waren von 84 095 Porsche mit 42 183 gut die Hälfte Cayennes. Doch inzwischen geht die Nachfrage nach dem großen Auto vor allem in den USA deutlich zurück. „Aufgrund des Rückgangs des Cayennes sind die Porsche-Wachstumsziele für 2006, 2007, 2008 nicht erreichbar, schreibt der Automarktforscher Ferdinand Dudenhöffer in einem Papier über die Perspektiven des Cayenne in den USA. Die hohen Benzinpreise, Diskussionen um Klimaverschiebungen und Wirbelstürme „machen dem PS-starken Edel-Geländewagen von Porsche wesentlich stärker zu schaffen als dem Wettbewerb“, schreibt Dudenhöffer. Porsche biete den Cayenne weder mit Diesel-Motor noch mit Hybridantrieb an, was den Absatz belaste.

Gemeinsam mit der VW-Tochter Audi entwickelt Porsche nun einen Hybrid (Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor), der aber voraussichtlich erst 2009 auf den Markt kommt. Schließlich kommt Audi im kommenden Jahr mit dem Geländewagen Q7 auf den Markt, was den Cayenne weiter unter Druck setzen werde. „Für 2006 erwarten wir aufgrund der geschwächten Marktposition einen Rückgang der Cayenne-Verkäufe in Höhe von 10 000 Fahrzeugen in den USA“, schreibt Dudenhöffer.

Trotz der aufkommenden Cayenne- Schwäche war das abgelaufene Jahr hervorragend. „Bei der Profitabilität haben wir inzwischen ein Niveau erreicht, das weit über dem aller anderen Automobilhersteller weltweit liegt“, sagte Wiedeking am Mittwoch. Das Ergebnis nach Steuern erhöhte sich um 12,9 Prozent auf 779 Millionen Euro, der Umsatz stieg dagegen nur um 6,9 Prozent auf 6,57 Milliarden Euro. An liquiden Mitteln hatten die Stuttgarter zuletzt 2,36 Milliarden Euro in der Kasse. Durch den Einstieg bei VW werde „die Liquidität zwar kurzzeitig zurückgehen“. Aufgrund der hohen Profitabilität werde Porsche „jedoch schon in naher Zukunft wieder über eine ansehnliche Nettoliquidität verfügen“, heißt es in Stuttgart. mit dpa

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