Wirtschaft : VW-Aufseher entscheiden am Mittwoch über Hartz

Chef Pischetsrieder schreibt an die Mitarbeiter/IG Metall will Hartz-Nachfolger auf Konzernebene

Alfons Frese

Berlin - Zur Besänftigung der Gemüter in der Untreue- und Sex-Affäre bei VW hat Konzernchef Bernd Pischetsrieder einen Brief an die Mitarbeiter geschrieben. „Ich werde nicht zulassen, dass das Fehlverhalten Einzelner die Loyalität von 340000 Volkswagen-Beschäftigten in Frage stellt, die täglich weltweit für den Konzern und unsere Marken ihr Bestes geben“, schrieb der Chef an die Belegschaft. Die Schlagzeilen über VW seien derzeit „schwer zu ertragen“, obwohl der „harte Wettbewerb auf den Märkten unsere volle Konzentration verlangt“. Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats will am Mittwoch über das Rücktrittsangebot von Personalvorstand Peter Hartz entscheiden. Die Annahme des Angebots gilt als sicher, eine entsprechende Beschlussempfehlung an den gesamten Aufsichtsrat würde folgen.

Zum Aufsichtsratspräsidium zählen der Aufsichtsratschef und frühere Vorstandsvorsitzende, Ferdinand Piëch, der erste Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende VW-Aufsichtsratsvorsitzende, Jürgen Peters, sowie Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) als Vertreter des größten Aktionärs. Bis vergangenen Freitag gehörte dem Gremium auch Klaus Volkert als Betriebsratsvertreter an. Volkert war vor zehn Tagen im Zuge der Affäre als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats zurückgetreten. Wahrscheinlich rückt sein Nachfolger auf diesem Posten, Bernd Osterloh, auch in das Aufsichtsratspräsidium.

Personalvorstand Hartz hatte am Freitag seinen Rücktritt angeboten; am Sonnabend wurde bekannt, dass sich Hartz möglicherweise auf Kosten von VW häufiger mit einer Prostituierten getroffen hatte. Falls dazu Spesengelder des Konzerns ausgegeben wurden, seien das „Dinge, die wir nicht dulden werden“, heißt es im Schreiben Pischetsrieders an die Mitarbeiter.

Wann und zu welchen Konditionen Hartz ausscheidet, ist offen. Wenn der Aufsichtsrat das Rücktrittsangebot annimmt, wird voraussichtlich der Aufsichtsrats- oder der Vorstandsvorsitzende vom Aufsichtsratspräsidium den Auftrag erhalten, die Ausstiegsmodalitäten mit Hartz zu verhandeln. Im Wesentlichen geht es um Geld. Hartz’ Vertrag ist abgeschlossen bis 2007 und Berichten zufolge mit jährlich 1,5 Millionen Euro dotiert. Zumindest die bis zum Auslaufen des Vertrags vereinbarte Vergütung dürfte ihm beim vorzeitigen Ausscheiden ausgezahlt werden.

Zu einem Machtkampf zwischen der IG Metall und Ministerpräsident Wulff könnte sich die Nachfolge von Hartz entfalten. Die IG Metall besteht darauf, wieder einen IG-Metall-Mann als Arbeitsdirektor auf der Ebene des Konzernvorstands zu haben. Wulff und womöglich auch Vorstandschef Pischetsrieder wollen dagegen den Arbeitsdirektor nur als Personalvorstand für die Marke VW. Hartz war sowohl Personalvorstand von VW als auch im Konzern, der sich unter anderem aus den Marken VW, Audi, Seat, Skoda und Bentley zusammensetzt.

Pischetsrieder greift in seinem Schreiben die Affäre in drei Punkten auf. Erstens gebe es ein Geflecht von Tarnfirmen, das die Mitarbeiter Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer aufgebaut haben sollen, um sich zu bereichern; es ging um Geschäfte in Indien, Angola und Tschechien. Zweitens existierten Vorwürfe gegen Ex-Betriebsratschef Volkert, der zugegeben hat, an einer der Firmen beteiligt gewesen zu sein. Drittens verweist der VW-Chef auf die Verwendung von Spesengeldern, die Gebauer für Belange des Betriebsrats ausgegeben hat. „Bei seinen Abrechnungen gibt es zweifelhafte Belege, die die Staatsanwaltschaft überprüfen wird. Zudem gibt es Vorwürfe, dass er auch sachfremde Vorgänge organisiert und abgerechnet haben soll“, schreibt Pischetsrieder.

0 Kommentare

Neuester Kommentar