Wirtschaft : VW-Betriebsrat greift Rente mit 67 an

Aktionen in allen Werken gegen längere Arbeitszeit

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Aktionen in allen Werken gegen längere Arbeitszeit Berlin - Die IG Metall trägt den Streit um die Rente mit 67 zunehmend in die Betriebe. „Am 31. Januar wird es in allen Werken Aktionen geben“, sagte VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh dem Tagesspiegel. Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering sei „herzlich eingeladen, um unseren Kolleginnen und Kollegen zu erklären, dass er ihnen die Rente kürzen will“. Wer es sich künftig als älterer Arbeitnehmer nicht leisten könne, die Rentenabschläge bei einem vorzeitigen Ausscheiden hinzunehmen, werde im Betrieb bleiben wollen. „Wir haben die Arbeitsbedingungen durch viele Maßnahmen kontinuierlich verbessert. Weitere ergonomische Maßnahmen, um beispielsweise schweres Heben zu vermeiden, werden folgen. Aber alle Bemühungen haben Grenzen“, betonte Osterloh. Arbeitsmediziner würden klar sagen, dass Menschen über 55 Jahren nicht mehr im Drei-Schicht-Betrieb und nicht taktgebunden arbeiten sollten. Das gelte nicht nur im Industriebetrieb. „Im Bereich der Angestellten hat die Arbeitsverdichtung von Jahr zu Jahr zugenommen. Ebenso der ständige Termindruck. Viele Kollegen halten diesen psychischen Stress nicht bis 67 durch“, beschreibt der Betriebsratsvorsitzende die Situation.

Osterloh sieht gleichzeitig die Einstiegschancen für junge Leute durch die Rentenpläne der Regierung gefährdet. Als Beleg führt er eine interne Mail „von der Unternehmensseite“ an, die ihm in die Hände gekommen sei. Auf die Frage, wie die Auswirkungen der Rente mit 67 Jahren gekoppelt mit dem Auslaufen der gesetzlichen Altersteilzeitregelungen bewertet werden, sei folgende Antwort gegeben worden: „Dieses könnte zumindest teilweise durch verminderte Neueinstellungen kompensiert werden.“ Eine solche Situation sei „absurd“, zumal „der Gesetzgeber immer schreit, die Unternehmen sollen etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit tun“.

Dem Betriebsrat zufolge wollen 74 Prozent der Arbeitnehmer vor ihrem 65. Lebensjahr in den Ruhestand gehen. „Können Sie sich ausmalen, wie motiviert unsere Mannschaft ist, wenn große Teile von der Politik gezwungen werden, bis 67 weiterzuarbeiten?“, warnte Osterloh. Er forderte einen „intensiven Diskussionsprozess, wie unser Sozialstaat aussehen soll, statt Reformen, die den Menschen Angst machen. Mein Wunsch ist: Unternehmen, Gewerkschaften und Politik endlich an einen Tisch. Und dann muss gemeinsam geguckt werden, wie wir weiterkommen.“

Die niedersächsische IG Metall kündigte für die kommende Woche eine „alternative Anhörung“ zur Rente mit 67 an, in NRW beginnen am Montag bei Thyssen-Krupp Protestaktionen, die am Dienstag bei Ford fortgesetzt werden. alf

Ein ausführliches Interview mit Bernd Osterloh lesen Sie am kommenden Montag im Tagesspiegel.

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