Wirtschaft : VW-Betriebsrat wittert Komplott gegen Belegschaft

Schmiergeld-Affäre: Volkert-Nachfolger Osterloh fürchtet Angriff auf die Gewerkschaft – die IG Metall stellt sich vor Hartz

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Berlin/Frankfurt am Main Bei VW ist ein Kampf um den Einfluss von Betriebsrat und Gewerkschaft ausgebrochen. „Es gibt Kräfte, die versuchen, die Arbeitnehmervertretung von Volkswagen zu schwächen, weil ihnen die Stärke von Betriebsrat und IG Metall schon lange ein Dorn im Auge ist“, heißt es in einem Brief des designierten Betriebsratschefs Bernd Osterloh an die Beschäftigten. „Es geht darum, den Machtblock zum Bröckeln zu bringen“, glaubt auch Albrecht Denninghoff, Autoanalyst der Hypo-Vereinsbank. Bei VW ist fast jeder Mitarbeiter Mitglied der IG Metall. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat sind in Wolfsburg sehr mächtig.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters, wie Osterloh im VW-Aufsichtsrat, warf am Montag Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vor, VW-Personalvorstand Peter Hartz „öffentlich zu beschädigen“. Wulff, der in dem Kontrollgremium den Großaktionär Niedersachsen vertritt, hatte gesagt, dass es auch für Hartz keinen „Persilschein“ geben dürfe.

Zuvor hatte Ferdinand Piëch, früher VW-Vorstandschef und heute an der Spitze des Aufsichtsrats, Hartz den Rücken gestärkt. Wulff nutze die Affäre um Schmiergeldforderungen, überhöhte Spesenabrechnungen und Tarnfirmen nach Meinung Peters, um „das deutsche Mitbestimmungsmodell zu diskreditieren“. Es sei „durchsichtig“, dass er Hartz beschädigen wolle. Dem CDU-Ministerpräsidenten geht es darum, den linken Einfluss bei VW zu schwächen, heißt es aus seinem Umkreis. Bislang liegen der Staatsanwaltschaft Braunschweig, die gestern die Unterlagen vom VW-Konzern erhalten hat, keine Vorwürfe gegen Hartz vor.

VW hat Anzeige gegen den Hartz-Vertrauten und ehemaligen Skoda-Vorstand Helmuth Schuster sowie einen weiteren Mitarbeiter aus der Wolfsburger Personalabteilung wegen des Verdachts auf Untreue und Betrugs erstattet. Sie sollen versucht haben, sich über ein Geflecht von Tarnfirmen Aufträge des Konzerns zu sichern. Es bestehe der Verdacht, dass Gelder, die Volkswagen beziehungsweise der tschechischen VW-Tochter Skoda zugestanden hätten, auf Privatkonten gelandet seien, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Nach bisherigen Erkenntnissen gehe es um „einige Millionen“, sagte ein Insider. Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert war im Zusammenhang mit der Affäre zurückgetreten.

„Wenn die Macht der IG Metall bei VW abnimmt, würde die Börse positiv reagieren, weil die Chancen auf einen echten Neuanfang bei VW steigen“, sagte Patrick Juchemich, Autoexperte bei Sal. Oppenheim. Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard würden davon profitieren, weil dringend notwendige Sanierungen besonders am Stammsitz Wolfsburg leichter durchgeführt werden könnten. „Die Affäre spielt den Erneuerern in die Hände“, findet Denninghoff. Somit hätten Wulff und die VW-Spitze „einheitliche Interessen“. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass sich Pischetsrieder bislang nicht eindeutig hinter Hartz gestellt hat, glauben Insider. Er ließ lediglich den Konzernsprecher mitteilen, dass Hartz im Amt bleibe. Ansonsten schweigt VW.

Die niedrige Auslastung des Werkes Wolfsburg war ein Faktor, der die Marke VW 2004 in die roten Zahlen getrieben hat. Ex-Daimler-Manager Bernhard ist im Mai angetreten, um die Marke wieder profitabel zu machen (siehe Kasten). Vor allem die Probleme bei VW haben die Marge des Konzerns im vergangenen Jahr auf nur ein Prozent gedrückt. In einem aktuellen Brief an die Belegschaft spricht Bernhard davon, dass VW am „Scheideweg“ stehe und die kommenden Jahre schwierig würden. Auf der Betriebsversammlung am vergangenen Donnerstag hatte er Parallelen zu General Motors gezogen, wo 25000 Stellen gestrichen werden sollen. hof/HB/Tsp

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