Wirtschaft : VW-Chef Piëch beflügelt die Phantasie der Anleger

HANNOVER (rtr).Vor der Hauptversammlung am Mittwoch hat VW-Chef Ferdinand Piëch die Phantasie über Zusammenschlüsse in der Automobilindustrie beflügelt.In einem Interview hatte der Vorstandsvorsitzende zwar nur über die bestehende Zusammenarbeit mit dem japanischen Automobilkonzern Toyota gesprochen.Zugleich hatte er hinzugefügt, für eine Fusion sei es viel zu früh.Der Hinweis reichte, um Volkswagen wieder ins Gespräch zu bringen, nachdem die Wolfsburger auf absehbare Zeit wohl bei BMW nicht ans Steuer kommen dürften.Ebenfalls durch ein Interview hatte Piëch im vergangenen Jahr Spekulationen über eine Übernahme von BMW durch VW ausgelöst.

Für Phantasie unter Branchenbeobachtern hat auch die Begründung von VW für umfangreiche Kapitalmaßnahmen gesorgt, die insgesamt 18 Mrd.DM einbringen sollen.In der Einladung zur Hauptversammlung in Hamburg heißt es, in den nächsten Jahren könnte es erforderlich werden, das Konzernwachstum durch Übernahmen oder Beteiligungen zu sichern.Neben einer Kapitalerhöhung will sich VW deshalb von den Aktionären den Rückkauf eigener Aktien genehmigen lassen.Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, mit eigenen Aktien Fusionen, Übernahmen oder den Erwerb von Beteiligungen zu finanzieren.Konkrete Pläne dafür gebe es aber nicht.

Analysten großer Banken schätzen Piëchs Aussagen als gezielten Versuch ein, im weltweiten Übernahmepoker im Gespräch zu bleiben.Konkrete Pläne von VW gebe es aber nicht.Dabei würden VW und Toyota nach Ansicht der Branchenkenner ideal zusammenpassen.Die Konzerne würden sich regional ergänzen und in kaum einem Bereich konkurrieren, sagte Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank.Er glaubt dennoch nicht, daß sich aus der existierenden Zusammenarbeit von VW und Toyota eine Fusion ergeben könnte.Toyota dürfte schon wegen der Größe nicht daran interessiert sein, sich dem kleineren VW-Konzern unterzuordnen.Eine "Fusion unter Gleichen", wie Daimler-Benz und Chrysler sie vorgemacht haben, sei daher unwahrscheinlich.

Alice Kytka von der DG Bank hält weitere Fusionen in der Branche zwar für wahrscheinlich.Die dürften aber vor allem den Nutzfahrzeug-Bereich betreffen."Scania ist sicherlich erste Wahl", sagte die Analystin.Der schwedische Lkw und Bushersteller sei hochprofitabel und würde gut zu Volkswagen passen.Zu Piëchs Äußerungen in der "Welt am Sonntag" sagte Kytka: "Wie wir wissen ist Dr.Piëch sehr ehrgeizig.Es ist möglich, daß VW Möglichkeiten (für weitere Kooperationsfelder mit Toyota) erkundet."

Für die Analysten von Independent Research macht eine Fusion von VW und Toyota zwar "keinen Sinn", dennoch empfiehlt Heiko Bienek die Aktien der Wolfsburger zum Kauf.VW betreibe eine erfolgreiche Modellpolitik und es sei gelungen, mit der Plattformstrategie die Kosten zu senken.Die Aktien von VW zogen an Dienstag an.Die Stämme verbesserten sich bis zum Schluß des Präsenzhandels um 0,95 auf 61,10 Euro.

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