Wirtschaft : VW: Der Autohersteller will mit dem Polo den Markt in China aufmischen

Schanghai Volkswagen will den langsam in Schwung kommenden Markt für Privatwagen in China mit der neuen Version des Polo erobern. "Wir glauben, dass es besser ist, mit neuem Design und den jüngsten Standards anzutreten", sagte der Geschäftsführer des Kooperations-Unternehmens, Joerg Blecker, am Montag in Schanghai anlässlich eines Besuchs von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD). Ziel des Konzerns ist nach Worten des VW-Generalbevollmächtigen Reinhold Konrad Kopp, den Automobil-Absatz in fünf Jahren auf 450 000 von derzeit rund 320 000 Stück zu verbessern. Durch den wachsenden Wettbewerb werde man dabei aber Marktanteile abgeben.

Die Volkswagen AG hält 50 Prozent an dem seit 15 Jahren bestehenden Joint Venture mit verschiedenen chinesischen Partnern. Zusammen mit einer weiteren Tochterfirma FAW Volkswagen Automotive bestimmen die Wolfsburger mit einem Anteil von 53 Prozent den noch kleinen chinesischen Markt. Nach Bleckers Worten habe Schanghai Volkswagen im vergangenen Jahr sieben Milliarden Mark umgesetzt. Angaben über den Ertrag wollte er nicht machen. Verluste schreibe das Unternehmen aber nicht: "Wir verdienen gutes Geld." VW-Sprecher Hans-Peter Blechinger sagte, das Unternehmen werde den Polo Anfang des kommenden Jahres in China präsentieren - wenige Monate nach seiner Einführung in den deutschen Markt. Um die steigende private Nachfrage in China zu decken, solle ein Jahr später auch die Stufenheck-Version des Polo in China produziert werden. Geplant sei auch die Einführung des Bora. Die Getriebe für alle Fahrzeug-Typen würden dann in einem weiteren, vor rund einem Monat vereinbarten, Joint-Venture hergestellt. VW rechnet nach eigenen Angaben analog zum von der Regierung vermuteten Anstieg des Bruttoinlandprodukts mit jährlichen Zuwachsraten von rund acht Prozent auf dem chinesischen Automarkt. Nach Bleckers Worten wolle VW in den kommenden fünf Jahren insgesamt rund drei Milliarden Mark investieren und damit die bisherigen finanziellen Anstrengungen verdoppeln.

Auf die vom Konkurrenten General Motors angekündigte China-Offensive im gleichen Marktsegment angesprochen, sagte Blecker: "Wir haben vor, den Markt mit Wagen zu bedienen, wie sie auch in Europa verkauft werden." Kopp fügte hinzu, er glaube nicht, dass die chinesischen Käufer mit der vom Konkurrenten angekündigten Grundversion zufrieden zu stellen seien: "Der asiatische Markt insgesamt ist sehr anspruchsvoll." Noch sind die bislang von VW produzierten Modelle wie der Santana und der Passat mit einem Preisvolumen von 113 000 bis 249 000 Yuan (rund 28 000 bis 62 000 Mark) nur schwer von der Masse der Käufer zu finanzieren. Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei 5854 Yuan in der Stadt und 2210 Yuan auf dem Land. Bislang kaufen vor allem Taxi-Unternehmen und Behörden Volkswagen. Dies wird sich nach Bleckers Einschätzung aber bald ändern. "Es gibt einen starken Druck auf die Preise zugunsten der Kunden", sagte er. Bereits in fünf Jahren werde die Zahl der im Jahr verkauften Autos eine Million überschreiten.

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