Wirtschaft : VW droht Ärger in Brasilien

Der Autokonzern hat angekündigt, Tausende von Arbeitern zu entlassen. Doch die wollen sich das nicht gefallen lassen

Philipp Lichterbeck

Rio de Janeiro - Dem Volkswagenkonzern stehen schwere Arbeitskämpfe in Brasilien bevor. Von einem „Krieg“ spricht bereits der Präsident der Metallarbeitergewerkschaft, José Lopez Feijóo. Streiks in vier der fünf brasilianischen VW-Fabriken sind wahrscheinlich.

Auslöser ist die Ankündigung von Volkswagen do Brasil, nicht nur die Löhne in dem südamerikanischen Land drastisch zu kürzen, sondern auch „Tausende“ von Arbeitern zu entlassen. Bisher war von einem Viertel der rund 24 000 VW-Arbeiter die Rede. Volkswagen, der größte Arbeitgeber in Brasiliens Automobilindustrie, wollte die Zahlen jedoch offiziell nicht bestätigen.

Als Grund für die Entlassungen nennt Brasiliens VW-Präsident Hans-Christian Märgner das Erstarken der brasilianischen Landeswährung Real. Das habe die Exporte derart verteuert, dass man bis 2008 jährlich 100 000 Autos weniger ausführen werde – ein Einbruch um 40 Prozent.

Aus Sicht vieler Beobachter ist dieses Argument des Konzerns, der in Brasilien mit 377 000 ausgelieferten Wagen den drittgrößten Markt nach Deutschland und China hält, jedoch nur vorgeschoben. Der Chef von Brasiliens Zentralbank, Henrique Meirelles, vermutet sogar, dass die Einsparungen in erster Linie der globalen Kürzungsstrategie des deutschen Autokonzerns geschuldet sind. Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte jüngst erklärt, dass von der Sanierung bis zu 20 000 Jobs betroffen sein könnten. Tatsächlich wird in Wolfsburg wohl schon länger über die Schließung einer Fabrik in Belgien, Spanien oder eben Brasilien nachgedacht.

Brasiliens Gewerkschaftschef Feijóo glaubt zudem, dass VW es ausnutze, dass die im Jahr 2001 ausgehandelten Arbeitsverträge bald auslaufen. Das frühere Vorstandsmitglied Peter Hartz, das auch für VW-Südamerika zuständig war, hatte den brasilianischen Beschäftigten eine sechsjährige Arbeitsplatzgarantie zugesichert. Sie endet in diesem November.

Für die brasilianischen Metallarbeiter, zu denen einst auch Brasiliens heutiger Präsident Lula zählte, kommen Verhandlungen über die Sparpläne des Konzerns jedoch „nicht in Frage“, wie Gewerkschaftschef Feijóo klarstellt. Volkswagen hatte 1953 mit zwölf Arbeitern seine erste brasilianische Produktionsstätte in São Paulo gegründet. Die traditionsbewussten und streitbaren brasilianischen Gewerkschafter wollen nun die 340 000 Volkswagenarbeiter aller Länder zu Protesten gegen die Sparpläne des Autobauers aufrufen.

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