• VW EIN JAHR NACH DEM AUSSCHEIDEN VON JOSE IGNACIO LOPEZ - Ein Jahr nach dem "Skrupellosen" sind VW und GM einig

Wirtschaft : VW EIN JAHR NACH DEM AUSSCHEIDEN VON JOSE IGNACIO LOPEZ - Ein Jahr nach dem "Skrupellosen" sind VW und GM einig

Nur die Justiz weiß noch nicht, wann sie Lopez wegen Industriespionage vor Gericht stellen wird

DARMSTADT (dpa).Untereinander haben sich die Kontrahenten geeinigt: Mit einem weltweit einmaligen Abkommen haben GM und VW Frieden geschlossen.Den ersten Schritt vollzog VW vor genau einem Jahr mit der Verabschiedung vom Einkaufschef Jose Ignacio Lopez und den meisten seiner mit ihm von GM nach Wolfsburg gewechselten Mitarbeiter.Damit war die zentrale Bedingung von GM und seiner deutschen Tochter Opel bereits vorab erfüllt.Anfang Januar war der Pakt perfekt: VW-Chef Ferdinand Piech sprang über seinen Schatten und bedauerte die dreijährige Auseinandersetzung - allerdings ohne Schuldeingeständnis.GM zog seine Schadenersatzklagen zurück und behauptete nicht länger, VW habe Lopez zur Mitnahme vertraulicher GM/Opel-Unterlagen animiert.Lopez selbst bleibt Sache der Gerichte.Für VW arbeitet der Baske seither nicht mehr. Auch in den finanziell bedeutsamen Punkten erwies sich VW als vertragstreu.Den siebenjährigen Liefervertrag über den Kauf von Autoteilen bei GM im Gesamtwert von einer Mrd.Dollar hat VW nach eigenen Angaben im ersten Jahr übererfüllt.Gern vermieden hätte VW den heiklen Punkt einer Zahlung von 100 Mill.Dollar an den Konkurrenten.Gezahlt hat VW aber prompt. Zumindest für die Staatsanwaltschaft Darmstadt ist der Fall klar: Beim spektakulären "Blaupausen"-Transfer 1993 von Opel zu VW haben der frühere Einkaufschef des Mutterkonzerns General Motors (GM), Jose Ignacio Lopez, und drei seiner früheren Mitarbeiter eindeutig Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse verraten.Sicher ist für die Staatsanwälte auch, daß es sich um einen im voraus geplanten Coup handelte, auch wenn die vier Angeklagten beides bestreiten.Die zuständige Strafkammer am Darmstädter Landgericht scheint indes skeptischer.Die Zulassung der Anklage läßt bereits knapp ein Jahr auf sich warten.Auch ein Rechtsgespräch des Landgerichts mit allen Verfahrensbeteiligten hat offenbar nicht die erwünschte Klarheit gebracht.Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war der Plan für den mutmaßlich illegalen Wissenstransfer von GM/Opel zu VW bereits Ende November 1992 gereift.Nach einem Treffen mit dem Vorstandschef der Volkswagen AG, Ferdinand Piech, habe Lopez systematisch mit dem Beiseiteschaffen von geheimen Opel-Unterlagen begonnen.Bis zu seiner Kündigung am 10.März 1993 habe sich auf diese Weise eine große Menge von interessanten Konzepten, Berechnungen und Plänen angesammelt.Anhaltspunkte dafür, daß Lopez von Piech angestiftet wurde, hat aber die Staatsanwaltschaft nicht. Zu den Unterlagen gehörten nach staatsanwaltlichen Erkenntnissen jene über die Errichtung eines neues Automobilwerks im Baskenland, die sogenannte "Plant X", genauso wie Listen über Einkaufsdaten für die europäische Fertigung ("Epos"-Liste).Ferner soll Lopez Listen mit Kostendaten zu den Opel-Modellen Corsa, Omega, Astra und Vectra, Unterlagen mit erreichten Einsparungen und Einkaufsstrategien für neue Projekte im Jahre 1993 sowie Papiere über das Kleinwagen-Konzept "O-Car" dem Wolfsburger Automobilriesen zugespielt haben. Daß es nicht beim reinen Unterlagen-Transfer blieb, auch dafür wollen die Anklagevertreter Belege haben.So sollen die Pläne für die Opel-Anlage "Plant X" unmittelbar in ein von VW geplantes VW-Werk in Spanien, die sogenannte "Plant B" der Wolfsburger, eingeflossen sein. Ob sich trotz der angeblichen Klarheit Lopez und seine drei Mitangeklagten jemals vor Gericht verantworten müssen, steht hingegen in den Sternen.Die Akten der Staatsanwaltschaft liegen seit zwölf Monaten auf dem Schreibtisch der 13.Strafkammer, ohne daß es bisher Hinweise auf eine Verfahrenseröffnung gegeben hat.Das Gericht tue sich schwer mit der komplexen Materie, heißt es in Gerichtskreisen.

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