Wirtschaft : VW-Ermittler blicken auch ins Ausland Beschuldigter klagt gegen Kündigung

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Berlin In der Korruptionsaffäre beim VW-Konzern prüfen Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt (LKA) die Ausweitung der Ermittlungen auf andere europäische und außereuropäische Länder. Es sei „nicht unwahrscheinlich“, dass um Rechtshilfe ersucht werden müsse, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe, am Donnerstag. Er kündigte verstärkte eigene Ermittlungen von Justiz und Polizei nach der Auswertung von VW-Unterlagen an. Wer als Zeuge vernommen werden soll, sagte Ziehe nicht. Ob beim LKA eine Sonderkommission eingerichtet werde, sei noch nicht entschieden.

Hauptpersonen der Affäre sind derzeit der frühere Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und ein früherer Mitarbeiter Schusters, der in der VW-Personalabteilung für die Beziehungen zum Betriebsrat zuständig war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden Männer wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Sie sollen Gelder, die eigentlich VW oder der tschechischen Tochter Skoda zugestanden haben, über ein „Firmengeflecht“ auf eigene Konten umgeleitet haben. Der beschuldigte Hans-Joachim Gebauer klagte inzwischen vor dem Arbeitsgericht Braunschweig gegen seine Kündigung. Der Anwalt Gebauers, der schleswig-holsteinische FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, sagte, „mein Mandant hat sich nichts vorzuwerfen“. Gebauer, der im Personalwesen für die Betreuung der Betriebsräte zuständig war, habe auf Anweisung von Personalvorstand Peter Hartz und dessen Mitarbeiter gehandelt.

VW bestätigte am Donnerstag, dass Hartz die Zuständigkeit für Regierungsbeziehungen an Konzernchef Bernd Pischetsrieder abgegeben habe. Das sei bereits seit einem halben Jahr geplant gewesen und habe nichts zu tun mit der aktuellen Affäre. Erstmals seit Beginn der Affäre meldete sich am Donnerstag der niedersächsische IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine per schriftlicher Stellungnahme. Er wies Kritik zurück, Betriebsrat und IG Metall hätten zu viel Macht bei dem Autobauer.

Ohne einen starken Betriebsrat und eine starke IG Metall seien die Beschäftigten auch bei VW gerade in Zeiten einer globalisierten Wirtschaft dem Unternehmen „schutzlos ausgeliefert“. „Die Gleichen, die über zu viel Einfluss von Betriebsrat und Gewerkschaft bei VW wettern, behaupten gleichzeitig, Betriebsräte seien käuflich. Das geht nicht zusammen und zeigt die Haltlosigkeit der Vorwürfe“, sagte Meine weiter. dpa/Tsp

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