Wirtschaft : VW-Gewinn ist fast um die Hälfte geschrumpft

Starker Rückgang im dritten Quartal / Gewinnprognose bleibt

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Frankfurt (Main) (hof/HB). Auf den ersten Blick sieht die Situation dramatisch aus: Der VWKonzern hat am Mittwoch für das dritte Quartal ein miserables Ergebnis vor Steuern abgeliefert, die pessimistischen Prognosen der Analysten wurden noch einmal unterboten. Dabei hatte zumindest die Absatzentwicklung in den vergangenen Monaten eine leichte Erholung signalisiert. Doch die hat VW anscheinend besonders in Deutschland und den USA mit Rabatten und günstigen Finanzierungsangeboten bezahlt, die voll auf das Ergebnis durchschlugen.

An Dramatik verliert die Halbierung des Vorsteuerergebnisses auf Grund von Belastungen, die nicht aus dem laufenden Geschäft stammen. Denn die starke Verminderung des Vorsteuerergebnisses im dritten Quartal von fast 48 Prozent ist auch darauf zurückzuführen, dass der VW-Konzern im Vergleichszeitraum 2001 das Ergebnis durch die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 200 Millionen Euro aufgepäppelt hatte.

Außerdem verhageln miserable Resultate beim Finanzergebnis das Gesamtbild. Mit der schwachen Börsensituation begründete VW das Minus beim Finanzergebnis von 471 Millionen Euro, das in dieser Höhe nicht erwartet worden war. „Wenn wir diese Sonderaspekte berücksichtigen, liegt das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen“, hieß es bei der Hypo-Vereinsbank. Auch die Börse reagierte unaufgeregt auf die Zahlen, der Kurs der VW-Aktie bewegte sich nur wenig. Ein Grund für die Haltung der Investoren dürfte auch sein, dass der Wolfsburger Konzern trotz des Einbruchs im dritten Quartal an seinen Prognosen für das gesamte Jahr festhält: 2002 will VW ein Vorsteuerergebnis von vier Milliarden Euro erzielen, wie Finanzchef Bruno Adelt in einer Telefonkonferenz betonte. Es gebe keinen Grund, daran etwas zu ändern, denn ohne die Belastung durch das nicht liquiditätswirksame Finanzergebnis habe der Konzern bereits jetzt ein Vorsteuerergebnis von 3,3 Milliarden Euro, sagte Adelt. Das Ziel für das Vorsteuerergebnis war im Juli um zehn Prozent auf vier Milliarden Euro gesenkt worden.

Um die Ergebnisprognose für das laufende Jahr zu erfüllen, müsste der Konzern im vierten Quartal nun ein Vorsteuerergebnis von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaften, was nach Meinung von WestLB-Analyst Arndt Ellinghorst nicht aus dem operativen Geschäft erzielt werden kann. Wie die Erträge bis Ende Dezember erzielt werden sollen, wollte auch Adelt nicht im Detail beantworten, verwies aber darauf, dass der Konzern bei verschiedenen Risikopositionen zum Jahresende Neubewertungen vornehmen könnte. Immerhin hat sich bei den Absatzzahlen eine Erholung angedeutet. Lag der VW-Konzern in den ersten drei Monaten noch 6,8 Prozent hinter den Vorjahreszahlen zurück, ergab sich im vergangenen Quartal ein Plus von 0,3 Prozent.

Das darf jedoch nicht über die Probleme in der Produktpalette hinwegtäuschen, die besonders in Deutschland und Westeuropa in diesem Jahr zu hohen Verlusten bei den Marktanteilen geführt haben. So geht das für VW wichtigste Modell Golf IV 2003 in das letzte Jahr, bevor der Nachfolger vorgestellt wird. Auch der Passat, die zweite Stütze der Marke VW, ist in die Jahre gekommen und wird erst 2004 abgelöst. Die Hoffnungen für 2003 ruhen auf dem Luxus-Geländewagen Touareg, den VW mit Porsche entwickelt hat, und auf dem Minivan Touran.

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