Wirtschaft : VW gibt sich noch nicht geschlagen

Vorstandschef Piëch hat Angebot für Rolls-Royce angeblich um 200 Mill.DM erhöht / BMW legt Erfolgsbilanz vor MÜNCHEN (dpa/AP).VW gibt sich im Übernahmekampf um Rolls-Royce noch nicht geschlagen.VW-Chef Piëch besserte laut "Bild"-Zeitung das Angebot um 200 Mill.auf 1,7 Mrd.DM nach.Der Rolls-Royce-Mutterkonzern Vickers bekräftigte seine Grundsatzentscheidung zugunsten BMW, wollte aber eine Überprüfung weiterer Angebote nicht ausschließen.BMW-Chef Pischetsrieder zeigte sich zuversichtlich, daß die Vickers-Aktionäre den Milliardendeal billigen würden.Pischetsrieder legte zugleich eine Rekordbilanz vor. Der BMW-Konzern will mit dem Rolls-Royce-Kauf auf breiter Basis in das Luxussegment einsteigen und Milliardenbeträge in neue Modelle investieren.Wie Pischetsrieder am Dienstag bei der Bilanzvorlage in München sagte, sei trotz der Entscheidung des Rolls-Royce-Eigentümers Vickers für den Münchner Konzern nicht auszuschließen, daß von VW oder Investmentbanken nachgebesserte oder neue Angebote für das britische Traditionsunternehmen vorgelegt werden.Ein VW-Sprecher sagte auf Anfrage, ob VW sein Angebot an Rolls-Royce nachbessern wolle, lediglich "kein Kommentar".Er betonte jedoch, daß der Verkauf noch nicht endgültig über die Bühne sei.In dem Zeitungsbericht heißt es, im britischen Cosworth könne der VW-12-Zylinder-Motor zum Einbau in die Rolls-Royce-Karosserien montiert werden.Piëch spekuliere darauf, daß die traditionsbewußten Briten den Motor als britisches Produkt ansehen würden.BMW-Chef Pischetsrieder äußerte sich dennoch zuversichtlich, daß der Münchner Konzern auf einer Vickers-Hauptversammlung im Mai den Zuschlag erhält. Der BMW-Konzern erzielte 1997 Rekordwerte beim Umsatz, Absatz und Gewinn und will 1998 weiter wachsen.Wie der BMW-Chef sagte, soll mit dem Kauf von Rolls-Royce die Angebotslücke zwischen den teuersten BMW-Modellen für knapp 200 000 DM und den Rolls-Royce-Modellen für über 400 000 DM geschlossen werden.BMW hat in einer Studie mit Rolls-Royce Motor Cars bereits ein zweitüriges Bentley Modell (Java-Projekt) auf der Basis eines früheren 5er-Modells entwickelt. In diesem Markt mit einem Volumen von etwa 15 000 Autos jährlich "bestimmt das Angebot den Markt", sagte der BMW-Chef.Der Kaufpreis von einer Mrd.DM für Rolls-Royce sei gerechtfertigt, weil BMW zwei neue Modelle (Rolls-Royce Silver Seraph und ein neues Bentley Modell) übernehme.Pischetsrieder kündigte eine Ausweitung der Rolls-Royce und Bentley-Modellpalette an, wobei neue Modelle jeweils etwa eine Mrd.DM kosten. Pischetsrieder drohte erneut mit einem Stopp der Motoren- und Komponentenzulieferungen an Rolls-Royce, falls das britische Unternehmen durch ein Gegenangebot in fremde Hände falle.An den neuen Modellen, wie dem Silver Seraph, liege der BMW-Lieferanteil bei 30 Prozent.Bei einem Ausstieg von BMW stehe die Produktion am Rolls-Royce-Stammsitz in Crewe still. Nachdem 1997 das bisher "erfolgreichste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte" für BMW war, sei im laufenden Jahr ein weiteres moderates Wachstum für alle wichtigen Kennzahlen zu erwarten, sagte Pischetsrieder.Wie bereits mitgeteilt, stiegen 1997 der BMW-Konzernumsatz um 15 Prozent auf 60,14 Mrd.DM und der Jahresüberschuß um 52 Prozent auf 1,25 Mrd.DM.Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 868 Mill.DM auf 2,5 Mrd.DM.Der Hauptversammlung soll eine Dividendenerhöhung um fünf auf 20 DM für Stammaktien und ebenfalls um fünf DM auf 21 DM für Vorzugsaktien vorgeschlagen werden.Insgesamt sollen an die Aktionäre 397 Mill.DM ausgeschüttet werden, 100 Mill.DM mehr als im Vorjahr.Auch die Beschäftigen sollen am Unternehmensgewinn beteiligt werden. Der Konzern mit der britischen Tochtergesellschaft Rover Group verkaufte insgesamt 1,2 Mill.Autos, vier Prozent mehr als im Vorjahr.Die 1994 übernommene Rover Group schloß noch mit 260 (Vorjahr 279) Mill.DM Vorsteuerverlust ab und ein weiterhin hoher Pfund-Kurs könnte das Ziel gefährden, daß Rover bis zum Jahr 2000 in die Gewinnzone kommt, sagte Pischetsrieder.Rover schloß 1997 aber erstmals seit der Übernahme durch BMW im operativen Geschäft mit Gewinn ab.Das BMW-Engagement im Flugtriebwerkegeschäft belastete 1997 das Ergebnis noch mit 662 (627) Mill.DM Vorsteuerverlust. Im ersten Quartal 1998 lag der BMW-Konzernumsatz mit 14,4 Mrd.DM um drei Prozent über dem Vorjahreswert.Durch den Modellwechsel in der BMW 3er-Reihe blieb die Produktion auf Vorjahreshöhe und die Auslieferungen lagen mit insgesamt 287 200 Autos um ein Prozent unter dem Vorjahreswert.Im Gesamtjahr sollen die Auslieferungen aber steigen. Der BMW-Konzern mit 117 591 Beschäftigten Ende 1997, davon 56 Prozent im Inland, will im laufenden Jahr erneut über 1000 neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.1997 wurden im Inland 1500 zusätzliche Stellen geschaffen.Der Kurs der BMW-Aktie ging am Dienstag an der Börse gegenüber Montag um 58 DM auf 2045 DM zurück.VW legten dagegen um 22 DM auf 1448 DM zu.

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