Wirtschaft : VW hat die Krise überwunden

Gewinn steigt um 62 Prozent/Sanierungsaufwand von zwei Milliarden Euro / Anteil an MAN auf 20 Prozent erhöht

Alfons Frese

Berlin - VW ist aus dem Gröbsten raus und hat in den vergangenen Monaten den Gewinn deutlich erhöht. Vor allem die zuletzt schwächelnde Kernmarke verdient wieder Geld: Die Markengruppe VW, zu der neben VW auch Skoda und Bentley gehören, kam in den ersten neun Monaten auf einen operativen Gewinn vor Sondereinflüssen von 1,1 Milliarden Euro, das war knapp eine Milliarde mehr als vor einem Jahr. Alles in allem steigerte der Konzern das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen um 62 Prozent auf drei Milliarden Euro, heißt es im Zwischenbericht über die ersten neun Monate, den Volkswagen am Freitag vorlegte.

Zu den Sondereinflüssen gehören Sanierungsmaßnahmen wie der Abbau von bis zu 20 000 Arbeitsplätzen in den westdeutschen Werken mit Hilfe von Abfindungen und Vorruhestandsregelungen; allein dafür wird mehr als eine Milliarde Euro veranschlagt. Ferner vereinbarte der Konzern mit der IG Metall Rücklagen für die betriebliche Altersvorsorge in Höhe von 700 Millionen Euro. Dieser Punkt ist Teil eines neuen Tarifvertrags, auf den sich Konzern und Gewerkschaft Ende September verständigt hatten und der unter anderem eine Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich in den sechs westdeutschen Werken beinhaltet. Im Gegenzug verpflichtete sich die Konzernspitze zu verbindlichen Investitionen und neuen Produkten in den betroffen Fabriken.

Laut Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch „sind wir mit der Restrukturierung der Kernmarke VW gut vorangekommen, aber noch nicht am Ziel“. Die Kosten müssten weiter gedrückt werden, um VW-Modelle, die wie der Golf oder der Passat in Wolfsburg und Emden gebaut werden, „auch in wettbewerbsfähigen Märkten“ verkaufen zu können. Damit meint Pötsch vor allem die USA, wo der Konzern in den vergangenen Jahren mit großen Verlusten leben musste. VW verkauft auf dem größten Automarkt der Welt inzwischen zwar wieder mehr Fahrzeuge, hat dort in den ersten neun Monaten aber immer noch 450 Millionen Euro Verlust gemacht; im Vorjahreszeitraum waren es sogar gut 800 Millionen Euro gewesen.

Alles in allem bewertete Pötsch den bisherigen Geschäftsverlauf für 2006 zwiespältig. Zwar wurden der Verkauf, Umsatz und Gewinn im zweistelligen Prozentbereich gesteigert, doch „von unseren mittelfristigen Konzernzielen sind wir nach wie vor weit entfernt“. Bis 2008 will VW das Ergebnis vor Steuern von zuletzt 1,7 Milliarden auf 5,1 Milliarden Euro erhöhen. In den ersten drei Quartalen 2006 verdiente die Markengruppe Audi (mit Seat und Lamborghini) einen operativen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro (plus 21 Prozent), die Sparte Nutzfahrzeuge kam auf 41 Millionen und die Finanzdienstleistungen auf 729 Millionen Euro. An Sondereinflüssen schlug neben den Sanierungskosten (zwei Milliarden Euro) der Verkauf von Europcar (800 Millionen Euro) und der Bordnetze sowie der IT-Tochter Gedas mit zusammen 300 Millionen Euro zu Buche.

Im Rahmen einer Telefonkonferenz teilte Pötsch am Freitag mit, dass VW inzwischen 20 Prozent des Lastwagenherstellers MAN übernommen hat. Ferner sei beim Kartellamt beantragt worden, den Anteil auf bis zu 30 Prozent abzüglich einer Aktie zu erhöhen. Damit baut Volkswagen seine Schlüsselposition in dem Übernahmegezerre um den schwedischen Lkw-Hersteller Scania aus. MAN will Scania übernehmen, hat bereits mehr als 14 Prozent gekauft und für das gesamte Unternehmen gut zehn Milliarden Euro angeboten. Scania selbst und wichtige Anteilseigner hatten das Angebot zurückgewiesen, worauf wiederum VW – mit 34 Prozent der Stimmrechte wichtigster Scania-Aktionär – bis zum 17. November von allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung gefordert hatte.

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