Wirtschaft : VW: Interview: "Ich sehe kaum weitere Möglichkeiten"

Herr Bispinck[der IG-Metall-Chef Klaus Zwickel ha]

Über die gescheiterten Verhandlungen bei VW sprach Daniel Rhée-Piening mit Reinhard Bispinck, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung.

Herr Bispinck, der IG-Metall-Chef Klaus Zwickel hat erklärt, unterm Strich seien 100 000 Arbeitsplätze gerettet worden. Können Sie diese Rechnung nachvollziehen?

In der Tat hätte ein Vertrag, wie ihn VW angestrebt hat, auch für andere Tarifbereiche Auswirkungen haben können, und dort zu einer Ausweitung der Arbeitszeit geführt. Da gleichzeitig das Arbeitsvolumen aber gleich geblieben wäre, hätte dies mit Sicherheit Arbeitsplätze gekostet.

Hätten die Vehandlungspartner nicht auch ein positives Beispiel für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt geben, und so Arbeitsplätze in Deutschland halten können?

Es ging meiner Meinung nach nicht allein um Flexibilität. Der gegenwärtig bei VW existierende Haustarifvertrag sieht eine Regelarbeitszeit von 28,8 Stunden in der Woche vor. Diese kann bei Bedarf auf 38 Stunden erhöht werden. Dies ist doch schon ein sehr großes Maß an Flexibiltät.

Wenn nicht die Flexibilität der Knackpunkt war, was dann?

Die größte Hürde war wohl die Bezahlung. VW wollte ein Kostenniveau realisieren, dass deutlich unter den Bezugsgrößen anderer Tarifverträge gelegen hätte. Nach den mir vorliegenden Zahlen hätte ein "5000 mal 5000-Mitarbeiter" auf der Basis einer 35-Stunden-Woche ein Jahreseinkommen von rund 54 000 Mark erzielt. Für die Metallindustrie Niedersachsen sind dafür 61 000 Mark vorgesehen.

Wie könnte es denn nun weitergehen?

Wenn Volkswagen sich in diesem zentralen Punkt nicht bewegt, sehe ich kaum weitere Verhandlungsmöglichkeiten.

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