Wirtschaft : VW ist das große Problem im Tarifstreit

Zwickel und Kannegiesser bemühen sich um Lösung/Umstrittener IG-Metall-Vize bekommt Rückendeckung

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Berlin (alf). Zur Lösung des Tarifkonflikts um die 35Stunden-Woche haben sich am Donnerstag IG Metall-Chef Klaus Zwickel und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser getroffen. Nach der achtstündigen Sitzung in einem brandenburgischen Hotel hieß es am Abend, die Positionen lägen unverändert weit auseinander. Trotzdem sollen am Freitagmittag in Berlin die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Für Sonntagnachmittag hat die IG Metall ihren 41-köpfigen Vorstand nach Berlin gerufen. Spätestens dann wird wohl entschieden, wie es im Tarifstreit weitergeht. An dem Spitzengespräch in Sommerfeld bei Oranienburg nahmen auch der IG-Metall-Vize Jürgen Peters sowie Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch teil

Aus Verhandlungskreisen verlautete am Donnerstag, VW sei „ein großes Problem“. Mit mehreren tausend Mitarbeitern ist VW mit Abstand der größte Arbeitgeber in der ostdeutschen Metallindustrie. Und da die VWler seit nunmehr vier Wochen streiken, ist die Erwartungshaltung der Beschäftigten groß; sie werden nur einen Stufenfahrplan mit dem Endpunkt 35 Stunden akzeptieren. Das lehnen die Arbeitgeber ab. Ein Haustarif für VW ist aber auch unwahrscheinlich. „Wir haben nicht die Absicht, aus dem Verband auszutreten“, sagte VW-Sprecher Peter Schlelein am Donnerstag. VW ist mit drei Betrieben in Sachsen vom Streik betroffen; das Montagewerk in Mosel ist mit mehr als 6000 Mitarbeitern das größte. Bis einschließlich Freitag wird VW 20000 Autos wegen des Streiks nicht produziert haben. Mehr als ein Drittel der Einnahmen des Verbandes der sächsischen Metall- und Elektroindustrie stammen von VW. Der Konzern hat also genug Gewicht, um den Verband im Tarifstreit zum Einlenken zu drängen.

Unterdessen haben sich in der Auseinandersetzung um die Streikstrategie führende Gewerkschafter hinter den zweiten Gewerkschaftsvorsitzenden Peters gestellt. Die Kritik an Peters sei „unberechtigt und schädlich, weil sie die notwendige Geschlossenheit der IG Metall in einem Arbeitskampf gefährdet“, schimpfte der Betriebsratschef von VW, Klaus Volkert. Klaus Meine, IG Metall-Chef von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, hält die „Kritik einzelner Betriebsratsvorsitzenden“ für „ebenso unbegründet wie unakzeptabel“. Peters stammt aus Niedersachsen. Vor allem westdeutsche Betriebsräte hatten Peters und den ostdeutschen Streikführer Hasso Düvel scharf kritisiert. Dabei waren Begriffe wie „tarifpolitische Geisterfahrer“ und „Naivlinge“ gefallen. „Wir können an der Spitze der IG Metall niemanden brauchen, der keine Ahnung von Strategie hat“, sagte ein Betriebsratsvorsitzender dem Tagesspiegel. Damit spielte er auf die Nominierung Peters als Nachfolger von Klaus Zwickel an. Hier sieht auch der VW-Betriebsratschef und Peters-Freund Volkert die Ursache des internen Konflikts. Er gewinne den Eindruck, dass sich vor allem diejenigen äußerten, die nicht hinter der Nominierung Peters zum 1. Vorsitzenden der IG Metall stünden. Volkert meint damit die Betriebsratschefs von Daimler-Chrysler, Porsche und Opel, die lieber den Stuttgarter IG Metall-Chef Berthold Huber als künftigen ersten Vorsitzenden sehen würden. Auch Düvel schlug am Donnerstag zurück. Die Kritik des Opel-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Franz sei ein „unverschämte Beleidigung der Streikenden“.

Ungeachtet des Streits um Peters bemühten sich am Donnerstag die Tarifparteien um eine Annäherung. Aus dem Arbeitgeberlager hieß es, man sei angenehm überrascht über Düvels „Angleichungspakt Ost“. Darin hatte die IG Metall am Mittwoch eingeräumt, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe eine Voraussetzung für Arbeitszeitverkürzungen sei; für so genannte „Know-how–Träger“ bietet die IG Metall bei der „Gestaltung und Dauer der Arbeitszeit“ eine Extra-Regelung an, ebenso für „die Regelung von Qualifizierungszeiten“. Die Arbeitgeber wollen jedoch einen Arbeitszeitkorridor zwischen 35 und 40 Stunden.

Dagegen zerbricht man sich in der IG Metall den Kopf, wie ein Flächentarifvertrag mit den Erwartungen der sächsischen VW-Arbeiter in Deckung gebracht werden kann. Die VWler streiken inzwischen seit vier Wochen und werden sich deshalb kaum mit einem Abschluss abfinden, der hinter der Stahlindustrie zurückbleibt. Dort hatte bereits eine Woche Streik gereicht, um einen Stufenplan zu vereinbaren, der die 35 Stunden-Woche ab 2009 vorsieht.

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