Wirtschaft : VW-Käfer als Star der Automesse Detroit

Deutsche Autos melden sich auf Weltmarkt zurück / Hohe Produktivität / US-Konzerne wollen Kyoto-Auflagen mit Öko-Autos erfüllen

DETROIT (dpa/grü/HB).Die diesjährige Automobilausstellung in Detroit wird eine Show extremer Gegensätze.Von diesem Montag an bis zum 19.Januar werden viele der mehr als 40 Autokonzerne aus aller Welt zahlreiche Modellstudien von sogenannten "Green Cars" ­ umweltfreundliche Wagen mit alternativen Antriebsaggregaten - vorstellen.Damit wollen vor allem General Motors, Ford und Chrysler versuchen, ihr keineswegs gutes Umweltimage zu verbessern.Gleichzeitig präsentieren die Autokonzerne aber auf der wichtigsten amerikanischen Automesse immer größere Geländewagen, Großraumlimousinen und "Pickups" sowie üppig ausgestattete Pkw-Modelle. In Detroit werden rund 30 futuristische "Concept Cars" und zahlreiche neue Automodelle vorgestellt.Die umweltfreundlichen Fahrzeuge sollen den Amerikanern später einmal sauberere Luft und geringeren Treibstoffverbrauch bescheren.General Motors wollte am Sonntag abend "die weltweit saubersten Concept Cars" präsentieren.Chrysler zeigt in Detroit sein verbessertes ESX-Hybrid-Modell.Star der Auto-Show dürfte jedoch keiner der Muskelprotze werden, sondern der neue "Beetle" von VW.Volkswagen wird den Käfernachfolger erstmals als produktionsreifes Modell zeigen.Er wird im VW-Werk in Puebla (Mexiko) gebaut und vom Frühjahr an in den USA, Kanada und Mexiko verkauft.Im weiteren Jahresverlauf soll er auch nach Europa und auf andere Märkte kommen.VW erwartet in diesem Jahr einen US-Absatz von 40 000 Wagen.Geplant ist für 1998 die Fertigung von rund 100 000 der neuen Käfer. Die USA müssen nach den Vorgaben der Klimakonferenz von Kyoto ihren Kohlendioxid-Ausstoß um sieben Prozent reduzieren.Dies ist nach Berechnungen amerikanischer Umweltexperten nur machbar, wenn Detroit den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch seiner Fahrzeuge bis zum Jahr 2010 drastisch senkt und die Fahrzeugabgase gleichzeitig viel sauberer werden.GM, Ford und Chrysler haben sich gegen die obligatorischen Kyoto-Auflagen stark gemacht.Sie wollen stattdessen auf freiwilliger Basis mit neuen umweltfreundlichen Autos und neuen Technologien eine drastische Verminderung der Autoabgase erreichen. Die Amerikaner kaufen gegenwärtig rund sieben Mill.Geländewagen, Pickups und Großraumlimousinen pro Jahr, im Vergleich zu 4,6 Mill.im Jahre 1992.Auf diese Fahrzeuge entfällt damit inzwischen fast die Hälfte des US-Gesamtabsatzes von rund 15 Mill.Wagen.Der Absatz von Kleinwagen ist dagegen stark rückläufig. Die Messe gilt als Start der Verkaufssaison in den USA.Deutschlands Autobauer sind obenauf, erleben Autos "made in Germany" seit einigen Monaten doch einen regelrechten Boom in Nordamerika.Zudem beflügelt der starke Dollar die Gewinnaussichten der deutschen Autohersteller. Nur etwas mehr als drei Jahre ist es erst her, da hatte die Krise der deutschen Autozunft ihren Höhepunkt erreicht.Arbeitsplatzabbau und Exportschwäche griffen ineinander und sorgten für Katerstimmung.Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen spiegeln den kompletten Gegensatz wider: Höhenflüge im Export, lange Lieferfristen und Neueinstellungen künden von einem neuen Autoboom.Eine Aufwärtsentwicklung, die für Experten nicht überraschend kommt.Seit 1980, dies ergab eine Untersuchung des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen, kletterte die Produktivität je Arbeitsstunde in der Branche um gut 55 Prozent. "Die Deutschen haben deutlich an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen", urteilt Institutsleiter Willi Diez.Schon 1994, im ersten Jahr nach dem tiefen Umsatzsturz, kletterte die Produktivität dank massiven Personalabbaus und flexibler Arbeitszeiten um fast 14 Prozent.Die Wertschöpfung stieg seit 1993 real um 24 Prozent, wie eine VDA-Analyse belegt, von im Branchenschnitt 60,30 DM pro Beschäftigtenstunde auf 74,60 DM.Audi markierte die Spitze mit einem Produktivitätszuwachs von rund 30 Prozent.Die Wertschöpfung der VW-Tochter hat sich seit 1986 von 65 043 DM auf 122 187 DM pro Arbeitsplatz fast verdoppelt.

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