Wirtschaft : VW kommt bei Scania nicht voran Übernahme von MAN stockt

München - Der heutige Mittwoch soll ein guter Tag für Scania werden: Der schwedische Lastwagenbauer wird wieder solide Zahlen für das abgelaufene Jahr vorlegen. Die Konjunktur brummt, die Kapazitäten sind ausgelastet, die Gewinne sprudeln. Läuft alles glatt, darf Konzernchef Leif Östling in diesem Jahr dem Münchner Rivalen MAN ein Übernahmeangebot machen. So will es die Regie des Wolfsburger Mutterkonzerns. Es wäre ein Triumph: Noch vor fünf Jahren sollten die Schweden von MAN geschluckt werden. Doch Volkswagen will den Spieß umdrehen. VW hält 29 Prozent an MAN und 70 Prozent an Scania.

Seit Jahren feilt Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch an dem Plan, unter dem VW-Dach einen schlagkräftigen Lastwagenhersteller zu formen, der es weltweit mit Daimler und Volvo aufnehmen kann. Die Weichen sind gestellt: VW dominiert die Aufsichtsräte bei Scania und MAN. 2011 soll alles steuersparend fusioniert werden. Doch kurz vor Schluss wachsen sehr zum Ärger von Piëch die Risiken des Milliardendeals.

Der erste Stolperstein heißt Ferro- staal. Eigentlich hatte MAN das Unternehmen an den arabischen Staatsfonds IPIC verkauft, 30 Prozent liegen noch bei MAN. Doch seitdem die Münchner Staatsanwaltschaft einen der größten Schmiergeldskandale der deutschen Wirtschaft bei Ferrostaal aufgedeckt hat, drohen die Araber mit Rückabwicklung – es läuft ein Schiedsverfahren. Die finanziellen Folgen der Affäre für MAN sind nicht mehr absehbar.

Sprengkraft steckt zudem in den Untersuchungen der EU-Komission, die Mitte Januar die führenden sechs europäischen LKW-Hersteller durchsucht haben, darunter auch MAN und Scania. Die Kommission wirft der Branche vor, in der Wirtschaftskrise LKW-Preise abgesprochen zu haben. Die Größe der Untersuchung lässt auf ein beträchtliches Ausmaß des vermuteten Schaden schließen, heißt es in der Branche.

Den günstigsten Zeitpunkt für eine solche Transaktion hat Volkswagen ohnehin verpasst. Denn die Aktienkurse von MAN und Scania haben sich in den vergangenen Monaten auch dank der besseren Wirtschaftslage immer weiter erholt. Hinzu kamen Indiskretionen und öffentliche Äußerungen, die Spekulanten genug Phantasie für Käufe boten.

Doch anders als bei der spektakulären Mannesmann-Zerschlagung drängt Volkswagen auf einen Deal „unter Freunden“. Dabei ist zwischen MAN und Scania ist in den vergangenen Jahren viel böses Blut vergossen worden. Immerhin hat Piëch weitgehend den Segen der Arbeitnehmer. Die Forderungen der bayerischen IG Metall, nach denen die deutschen Standorte mit Garantien abgesichert werden, will Wolfsburg ebenso erfüllen wie die Wünsche nach Erhalt der Mitbestimmung und dem Verbleib des Schiffsdiesel und Kraftwerksgeschäftes bei MAN. Wie lange die Hängepartie bei MAN noch dauert ist völlig offen. Das Schiedsgerichtsverfahren im Fall Ferro- staal ist gerade erst eröffnet, die Fronten zwischen MAN und IPIC verhärtet. HB

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben