VW-Manipulationen : Konzern findet für Dieselautos preiswerte Lösung zur Nachrüstung

Der Großteil der manipulierten VW-Dieselfahrzeuge kann mit einer einfachen Nachbesserung in Ordnung gebracht werden. Dadurch gelingt dem Konzern eine Milliardenersparnis.

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Preiswerte Strategie. VW hat eine günstige technische Lösung für die Nachbesserung der manipulierten Dieselfahrzeuge gefunden.
Preiswerte Strategie. VW hat eine günstige technische Lösung für die Nachbesserung der manipulierten Dieselfahrzeuge gefunden.Foto: John MacDougal/AFP

Erleichterung in Wolfsburg: Am Mittwoch stellte VW nach Abstimmung mit dem Kraftfahrtbundesamt die technischen Maßnahmen vor, mit denen der Großteil der manipulierten Dieselautos in Ordnung gebracht werden soll. Über eine optimierte Luftzuführung und ein Software-Update können die Motoren angeblich so korrigiert werden, dass das vorgeschriebene Emissionsziel erreicht und trotzdem die Motorleistung nicht eingeschränkt wird. Den Aufwand je Fahrzeug veranschlagt VW mit maximal einer Stunde.

Zu den Kosten könne man noch keine Angaben machen, da noch Verhandlungen mit Lieferanten liefen. Dafür hat der Duisburger Automarktexperte Ferdinand Dudenhöffer erste Berechnungen angestellt und kommt auf 500 Millionen Euro für den Rückruf aller in Europa betroffenen 8,2 Millionen Dieselfahrzeuge des Konzerns. Das ist weniger als bislang befürchtet. „VW bekommt mitten im Diesel- und Abgas-Skandal immer mehr Boden unter die Füße“, meint Dudenhöffer.

Im September war die Manipulation von Dieselmotoren in den USA bekannt geworden. Danach überschlugen sich die Ereignisse. Für den Rückruf von bis zu elf Millionen Fahrzeugen weltweit legte der Konzern, zu dem unter anderem auch Audi, Porsche, Seat und Skoda gehören, 6,7 Milliarden Euro zurück. Der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn musste gehen und wurde vom bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller ersetzt.

Die US-Antwaltskanzlei Jones Day klärt die Affäre im Auftrag von Volkswagen auf. Im Rahmen dieser Ermittlungen gab es weitere unerfreuliche Erkenntnisse: Bei rund 800 000 Fahrzeugen hatte der zweitgrößte Autohersteller der Welt die CO2-Abgaswerte, bei etwa 100 000 Audi mit Drei-Liter-Motor hatte das Unternehmen die verwendete Software gegenüber den US-Behörden nicht korrekt angegeben. Die Strafe dafür schätzt Dudenhöffer auf „unter 200 Millionen Euro“.

Schwieriger wird es bei den kleineren Dieselmotoren in den USA

Deutlich teurer wird die Lösung des Problems der 420 000 kleineren Dieselmotoren in den USA, die sich nicht nachrüsten lassen und womöglich zurückgekauft werden müssen. Und schließlich ist offen, was an Strafen fällig wird. Bis zu 18 Milliarden Euro sind allein in den USA möglich. Doch alles zusammengenommen wird der Betrug wohl erheblich unter den 100 Milliarden Euro liegen, die hier und da in Spekulationen genannt wurden. Die nur leichte Kürzung der Investitionen von 13 auf zwölf Milliarden Euro für das kommende Jahr gab kürzlich einen Hinweis darauf, dass die Konzernspitze glaubt, die Folgen des Skandals übersehen zu können.

In den kommenden Monaten will VW mit jedem betroffenen Kunden Kontakt aufnehmen und klären, wie man „Mobilitätseinschränkungen“ im Zusammenhang mit dem Rückruf des Autos vermeiden kann. „Allen Kunden wird eine angemessene Ersatzmobilität kostenfrei angeboten“, teilte VW mit. Und das soll nicht nur für VW, sondern auch für Audi, Seat, Skoda und VW Nutzfahrzeuge gelten. Voraussichtlich werden sich alle Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Rückruf für alle Modellvarianten über das gesamte Jahr 2016 hinziehen.

Nach Angeben von VW sind bislang acht Personen aus der Motorenentwicklung beurlaubt worden, darunter drei Topmanager.

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