Wirtschaft : VW-Nutzfahrzeuge will Produktpalette ausbauen - Umsatz leicht erhöht

Nach dem Scheitern der Fusion zwischen den Nutzfahrzeugherstellern Volvo und Scania hat Volkswagen erneut sein Interesse an einer Übernahme bekundet. Der Vorsitzende der Geschäfsleitung für den Nutzfahrzeugbereich von VW, Bernd Wiedemann, sagte, VW sei weiter an einer Beteiligung interessiert und auch darauf vorbereitet. Er vermied es jedoch, den Namen eines möglichen Kandidaten zu nennen. In der Branche wird spekuliert, VW könnte eine neue Offerte starten, um sich an Scania zu beteiligen, nachdem das im ersten Anlauf nicht gelungen war und Volvo damals den Zuschlag erhalten hatte.

Nachdem die Europäischen Kommission die Übernahme von Scania durch den Konkurrenten Volvo untersagt hat, tritt nach Ansicht von Branchenbeobachtern eine neue Sitiuation ein. Wiedemann sprach mit Blick darauf von einem "gewissen Endspielszenario". Er ließ dabei aber offen, ob sich VW an einem solchen "Endspiel" beteiligen wird. Die Formulierung lässt aber darauf schließen, dass man bei VW über eine solche Möglichkeit nachdenkt.

Neben Scania kommen dafür nach Ansicht von Branchenexperten auch andere Lkw-Hersteller in Frage. So war VW früher an MAN interessiert. An der Börse wurden 1999 zudem Gerüchte gehandelt, VW wolle möglicherweise Volvo oder Renault übernehmen. Bestätigt wurde das nicht.

Der Betriebsrat hat dem VW-Vorstand vor einigen Monaten eine fehlende Strategie im Nutzfahrzeuggeschäft vorgeworfen. Das sei umso bedauerlicher, als sowohl auf diesem Sektor als auch im Bereich der Freizeitfahrzeuge erhebliche Wachstumsraten erwartet würden. Analysten argumentierten, vor allem Großkunden kauften lieber bei einem Hersteller, der ein komplettes Programm anbiete. Die in Hannover gebauten VW-Modelle deckten aber nur die Fahrzeugklassen bis 4,6 Tonnen ab, in der Klasse von acht bis 15 Tonnen sei VW kaum vertreten.

Künftig will VW die Nutzfahrzeugpalette weiter ausbauen und vor allem in Europa an Boden gewinnen. Bis 2003 sind Investitionen von 1,5 Milliarden Mark geplant, wobei der Großteil in die Neustrukturierung der Fertigungsbereiche fließen soll. Wegen der hohen Vorleistungen für Umstrukturierung und neue Produkte wird das Ergebnis des Nutzfahrzeugbereiches 2000 aber vermutlich stagnieren, bei steigender Ertragskraft. Bis 2008 werde sich das Ergebnis verdoppeln, sagte Wiedemann. 1999 steigerte die Nutzfahrzeugsparte den Vorsteuergewinn von 459 auf 487 Millionen Mark. Der Umsatz erhöhte sich um 2,9 Prozent auf 8,50 Milliarden Mark. Bei der Umsatzrendite liege der Geschäftsbereich mit 5,7 Prozent nur unweit vom Konzernziel von 6,5 Prozent, das man aber bald erreichen werde.

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