Wirtschaft : VW: Politiker kritisieren Scheitern des Modells "5000 mal 5000"

Nach dem Scheitern des VW-Projekts "5000 mal 5000" haben Unternehmen und IG Metall einen erneuten Verhandlungsversuch abgelehnt. Dagegen forderten niedersächsische Politiker eine Fortsetzung der Gespräche. IG Metall-Chef Klaus Zwickel geriet in die Kritik und attackierte seinerseits Volkswagen: "VW konnte den Hals nicht vollkriegen." Wenn sich die IG Metall auf das Modell eingelassen hätte, wären "hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet", meinte Zwickel.

Niedersachsens Arbeitsministerin Gitta Trauernicht (SPD) appellierte an beide Seiten, weiter zu verhandeln. Ein Abbruch der Gespräche dürfe nicht das letzte Wort sein. Trauernicht schrieb in einem Brief an VW und die IG Metall, das Vorhaben sei eine "einmalige Chance für das Unternehmen und die Menschen, die dadurch einen Arbeitsplatz finden würden" und daher "wichtig für Niedersachsen". Auch der CDU-Landesvorsitzende Christian Wulff verlangte, das Vorhaben dürfte nicht "sang- und klanglos zu den Akten gelegt werden".

Die IG Metall und VW hatten am Montagabend in Hannover die Verhandlungen abgebrochen. Auch in der sechsten Verhandlungsrunde um das neue Modell und die damit verbundene Schaffung von bis zu 5000 Arbeitsplätzen an den VW-Standorten Wolfsburg und Hannover lehnte die IG Metall die vorgeschlagenen durchschnittlich 42,5 Wochenstunden ab. Zudem liege die Bezahlung unter dem Niveau des Flächentarifvertrags. VW bedauerte, dass die IG Metall das Modell aus Programmentgelt plus Ergebnisbeteiligung sowie flexibler und eigenverantwortlicher Arbeitsplanung nicht habe akzeptieren wollen.

In der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion hieß es, es sei "bedenklich", dass sich Zwickel in die Gespräche eingeschaltet habe. Dies habe die Suche nach einer am Standort Niedersachsen orientierten Lösung verhindert. Zwickel machte dagegen VW für das Scheitern verantwortlich. Der Vorstand habe die IG Metall mit "ungeheuerlichen Forderungen überfordert" und das Modell als "Torpedo" nutzen wollen, um den Haustarif schrittweise außer Kraft zu setzen. VW könne durch neue Produktions- und Vertriebskonzepte auch ohne Tarifänderungen 20 bis 25 Prozent Kosten sparen.

Der Vorsitzende des VW-Gesamtbetriebsrats, Klaus Volkert, kritisierte Zwickels Vorgehen indirekt. Es habe nicht genützt, dass sich andere in die Verhandlungen eingeschaltet hätten, sagte Volkert. Zwar gebe es zwischen Betriebsrat und IG Metall keine Unstimmigkeiten. "Ich hätte mir nur andere Unterstützung gewünscht, als man mir hat angedeihen lassen." Volkert sagte weiter, er habe gedacht, "wir hätten mit diesem Modell eine echte Chance, Industriearbeitsplätze in Deutschland zu halten". Ziel sei jetzt, die Produktion des geplanten Minivan in Wolfsburg zu sichern. "Nach so einem Ergebnis, das keines ist, kann es durchaus sein, dass es da andere Überlegungen des Vorstandes gibt", sagte der Betriebsrat. Der Minivan soll auf Basis des neuen Golf gebaut werden, wofür einige Konzernstandorte in Europa in Frage kommen. Das Pilotprojekt sah vor, dass dafür zunächst 3500 Arbeitssuchende am Standort Wolfsburg eingestellt werden. 1500 weitere Kräfte sollten später in Hannover dazu kommen.

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