VW/PORSCHE : Eine Überdosis Selbstbewusstsein

Zwei große Egos an der Spitze sind zu viel für ein Unternehmen. Selbst Volkswagen, Europas größter Autohersteller, schien 2009 wegen einer Überdosis Selbstbewusstsein zeitweise ins Schleudern zu geraten. Doch das eine Ego, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, hatte die Rechnung ohne das andere Ego gemacht, Ferdinand Piëch. Am Widerstand des VW-Patriarchen und Aufsichtsratsvorsitzenden scheiterte der vermeintlich geniale Versuch des kleinen Sportwagenbauers, Volkswagen zu übernehmen. Am Ende flossen Tränen in Stuttgart. Und in Wolfsburg zeigte Piëch Zähne.

Doch Wiedeking unterlag nicht nur dem 72-jährigen Enkel von Ferdinand Porsche. Finanzchef Holger Härter hatte sich mit intransparenten Wertpapiergeschäften verspekuliert, mit denen er im Verlauf des Jahres 2008 die Beteiligung an VW Schritt für Schritt aufgestockt hatte. Doch die Finanzkrise gab Porsche den Rest. Obwohl die Stuttgarter seit Januar dieses Jahres schon knapp 51 Prozent von VW kontrollierten und Wiedeking das Ziel von 75 Prozent ausgegeben hatte, wird Porsche zur Vollbremsung gezwungen. Der Schuldenberg von neun Milliarden Euro lastet zu schwer auf dem Unternehmen. Zudem ist der Absatz von Luxussportwagen massiv eingebrochen. Porsche hat zu lange von der Substanz gelebt – und vom Kursanstieg seiner VW-Aktien.

Obwohl die Banken Wiedeking im März noch einen Kredit in Höhe von zehn Milliarden Euro gewähren, kommt die Gerüchteküche nicht zur Ruhe. Am 6. Mai begräbt Porsche schließlich seine Pläne zur VW-Übernahme. Der Familienrat der Porsches und Piëchs strebt nun eine Allianz der beiden Autobauer an. In Wolfsburg bereitet Ferdinand Piëch unterdessen die Demontage von Wendelin Wiedeking vor.

Monate lang wird mit gezielten Indiskretionen um die Zukunft gepokert. Bekommt Porsche einen staatlichen KfW-Kredit? Steigen die Scheichs aus Katar ein? Kauft VW nur das Autogeschäft aus Stuttgart? Wer hat künftig das Sagen bei VW/Porsche?

Im Hochsommer wird es heiß: Spekuliert wird über eine Ablösung von Wiedeking. Nach einer Sondersitzung des VW-Aufsichtsrates am 23. Juli herrscht Klarheit: Wiedeking verlässt nach 16 Jahren den Vorstandssessel bei Porsche, Härter zieht sich ebenfalls zurück. Wiedeking erhält eine Abfindung von 50 Millionen Euro, wovon die Hälfte an eine soziale Stiftung geht. Sein Nachfolger Michael Macht, früher Produktionsvorstand, macht den Weg frei für Piëchs großen Plan: Porsche soll 2011 zehnte Marke im VW-Konzern werden. Wenige Tage vor Weihnachten zählt Piëch schon Nummer elf: Suzuki. 2010 könnte das Dutzend voll werden. mot

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